April, Bienenlieb

Liebe Imkerinnen und Imker,

es wird nicht leichter, die monatlichen Infos zu schreiben. Jetzt während ich hier schreibe, hat es bei uns in der letzten Februar-Woche minus 15 Grad. Und das über mehrere Tage. Nach den warmen Tagen im Jänner, erwischt es uns nun im wahrsten Sinne des Wortes kalt. Bei einer kurzen Kontrolle unserer Völker während der warmen Tage Mitte Jänner hatten diese bereits ausgeprägte Brutnester und der Ausfall bis dahin lag bei unter fünf Prozent der Völker. Durch eine so starke Kälteperiode von 2-3 Woche kann sich diese Quote noch deutlich erhöhen, ohne dass wir wir wirklich etwas tun können. Für eine Fütterung ist es zu kalt, also hoffen wir das die Einfütterung gut gepasst hat und die Bienen nicht zu viel vom angelegten Brutnest verlieren. Waren die Brutnester bereits groß und die Bienen ziehen sich zu einer engen Traube zusammen, kann das ein paar Zentimeter entfernte Futter für die Bienen unerreichbar werden. Ein Teil des Brutnests stirbt ab und kann zu weiteren Problemen führen. In Summe wieder ein Moment in dem Feingefühl und genaues Wissen über die Vorgänge im Bien unbedingt wichtig sind. Wie so oft funktioniert die Methode “haben wir immer so gemacht” nicht, ohne zu wissen wie die Situation wirklich ist und welche Auswirkungen ein bestimmter Eingriff hat.

Stockkarte & Standkarte

Die März-Ausgabe ist erst seit ein paar Tagen bei euch und schon erreichen mich viele positive Rückmeldungen zu den Vorlagen – vielen Dank! Einige Fragen bezogen sich auf die Völkerverwaltung per App. Das ist natürlich eine Variante die gut funktionieren kann, allerdings ist auch das mit einem Aufwand verbunden, in einer Mischung zwischen Stock- und Standkarte. Gute Apps bieten die Möglichkeit Einträge für mehrere oder alle Völker eines Standes zu erstellen, das ist eine große Hilfe. Wir haben uns im letzten Jahr die aktuellen Apps näher angesehen, ein Produkt aus Österreich war unser Favorit. Eine klare Oberfläche, praxisorientierte Funktionen und auch mobil perfekt nutzbar. Man sieht hier klar, dass ein Imker programmieren gelernt hat und nicht ein Programmierer das Imkern. Die App b.tree (www.btree.at) von Hannes Oberreiter gibt es in einer kostenlosen Variante und kann auf Desktop, Tablet und Smartphone genutzt werden.

Übersicht der Bienenstände
Die letzten aufgezeichneten Arbeiten am Volk 10
Neuer Eintrag für Volk 10: Kontrolle

Völkerentwicklung

Der massive Kälteeinbruch im Februar hat möglicherweise die Entwicklung gehemmt oder verzögert. In der letzten Ausgabe habe ich das wichtige enge Brutnest Anfang März und Austausch/Reinigung der Böden beschrieben. Diese Arbeiten können natürlich je nach Entwicklung erst 2-3 Wochen später möglich bzw. sinnvoll sein. Genau so ist es dann Anfang April. Normalerweise finden die Bienen im April sehr viel Nektar. Weiden, Haselnuss, Löwenzahn und je nach Region auch Raps sind starke Trachtpflanzen. Mitte April kommen dann die Obstbäume dazu. In der ersten Aprilhälfte nutzen wir das hoffentliche gute Wetter und den Nektareintrag und das Brutnest zu pflegen und auf eine sinnvolle Größe zu setzen. Wir arbeiten zu der Zeit mit sechs bis sieben Waben Einheitsmass-Jumbo bzw. neun Waben Einheitsmaß und einem Trennschied.

Eine besondere Ernte: Eisblumenhonig! (Schnee Ende April 2017)
großes Brutnest auf einer frischen Wabe Mitte April

Kirschblüte und Honigraum

Die Kirschblüte Mitte April ist der richtige Zeitpunkt um den ersten Honigraum zu geben, bei uns eine Flachzarge ohne Absperrgitter. Wichtig ist auf die Wetterkapriolen im April zu achten. Den Honigraum pauschal am 15. April aufzusetzen, wenn danach eine Woche schlechtes und kaltes Wetter kommt, kann die Völker durch den Wärmeverlust ausbremsen. Ist das Brutnest eng gesetzt, im Idealfall so dass eigentlich kein Platz für Honig ist, wir der Honigraum ohne Absperrgitter gut angekommen. Wir setzen immer Rähmchen mit neun Mittelwände im ersten Honigraum auf. Natürlich werden nun einzelne Völker eine Teil der Brut im Honigraum anlegen. Das ist mit den frischen Mittelwänden kein Problem, drei Wochen vor der Ernte kommt in Vorbereitung auf Ernte und Brutentnahme ein Absperrgitter oder eine Wabentasche zum Einsatz. Damit läuft die Brut im Honigraum aus und für die Ernte ist alles in Ordnung. Frische Waben die im gleichen Jahr bebrütet wurden sind definitiv kein Qualitätsproblem beim Honig! Kritisch sehe ich allerdings alte, überwinterte Waben die dann über den Honigraum aus den Völkern entnommen werden, wie es in manchen Betriebsweisen praktiziert wird. Bei den laufenden Kontrollen muss immer auf das Verhältnis frisch geschlüpfte Bienen bzw. in den nächsten Tagen schlüpfende Bienen geachtet werden. Gibt es zu viele ganz junge Bienen und keinen Platz für frische Brut kommt es zu einem Futtersaftstau und zum Kommando Schwarm. Also das Brutnest im Blick haben und ev. noch ein Rähmchen mehr geben.

Unterstützung von Kollegen im Verein

In vielen Vereinen gibt es das Angebot eines ‘Imkerpaten’ der einen im ersten Jahr begleitet. Bei uns und in anderen Orten/Städten werden auch Einsteigerkurse über das ganze Jahr angeboten (bei uns März bis März, ca. 95 Stunden). Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei einem Kurs über das ganze Jahr könnt ihr professionelle Unterlagen, die Grundlagen der Völkerführung und eine möglichst neutrale Einführung in die Imkerei erwartet. Kurse in diesem Umfang kostet aber ihr Geld, auch wenn es sehr gut angelegt ist. Bei den Imkerpaten kann es auch wunderbar laufen, ein erfahrener Imker führt euch in die Imkerei ein, zeigt euch viele Tipps und Tricks und beantwortet eure Fragen. Oft sehe ich aber nach ein paar Wochen schlechte Stimmung und Ärger. Der erfahrene Imker gibt seine Betriebsweise als absolute Variante vor, der Neueinsteiger hat viele viele Fragen, will alles modern und voller Euphorie umsetzen. Damit diese Konstellation funktioniert, zwei Tipps: der erfahrene Imker muss anerkennen das viele Wege nach Rom führen und abweichend von der eigenen Betriebsweise zum Beispiel ein geschlossener Brutraum oder ein anderes Beutenformat auch seine Vorteile hat. Der Neueinsteiger darf und soll alles hinterfragen, aber dabei wirklich die Funktion und den Sinn der abweichenden Schritte verstehen. Viele Dinge lassen sich verbessern und optimieren, aber vieles ist nicht so toll wie es auf den ersten Blick wirkt. Beispiele? Gerne: Spezialbeuten (siehe Februar), besonders tolle (aber unpraktische) Beutenständer oder Häuschen, regional nicht geeignete Rähmchenformate oder Bienen/Königinnen. Es gibt wenig in der Imkerei, das wirklich eine neue Erfindung ist. Aber es gibt mehrere Wege die man gehen kann, gemütliche, steinige die aber vielleicht einen Mehrwert haben oder unmögliche.

Laufende Völkerkontrolle

Es gibt hier viele Varianten. Alle sieben Tage alle Waben durchschauen, um Schwärme zu verhindern. Das bringt aber permanent Unruhe in die Völker und ist nebenbei auch noch viel Arbeit. Es gilt den eigenen Weg zu finden, nachdem klar ist wozu die Arbeiten wirklich nötig sind und was sie bewirken.

Eine Kontrolle alle sieben Tage stört die Völker, genau so wie das laufende Umhängen von Waben. Die grundlegende Regel sollte sein, die Völker so wenig wie möglich und so als nötig zu stören. Mit guten Reinzuchtköniginnen und gezielter Erweiterung lässt sich der größte Teil der Schwärme vermeiden. Wir kontrollieren die Völker, je nach Witterung und Trachtentwicklung alle 10-14 Tage. Dabei hilft uns zusätzlich eine Stockwaage pro Bienenstand. Diese steht unter einem durchschnittlichen Volk und erspart viele Besuche. Die tatsächlichen Kontrolle sind oft sehr schnell erledigt: Beobachtung am Flugloch, kurz den Deckel hoch und ein Blick durch die Folie. Ganz geöffnet werden nur Völker die aus der Reihe tanzen und Stichproben. Auch dabei reicht oft das ziehen der mittleren Waben und ein Blick in die Wabengassen. Dabei sehe wir ob das Brutnest schon angelegt ist, frische Stifte da sind (da gibt es auch eine Königin) und ob das Volk in Summe eine guten Eindruck macht. Somit in den meisten Fällen bei einem Bienenstand mit 20 Völkern nur 4 geöffnete Völker. Und die Bienen sind froh wenn sie nicht gestört werden.

Futterkontrolle im April

Im April kommt es sehr häufig zu Kälteeinbruchen. Behaltet also immer das Verhältnis Brutnest und Futtervorrat im Auge! Bei Bedarf 1 kg Futterteig auflegen oder eine kleine Futtertasche einhängen, damit die Völker in der Aufwärtsentwicklung nicht verhungern.

Brutnest Anfang April mit viel Pollen

Massenwechsel

Im April geht es richtig los, es wird viel Nektar eingetragen und es schlüpfen täglich tausende junge Bienen – die Königin legt bis zu 2.000 Eier pro Tag. In dieser Zeit kommt es auch zum ‘Massenwechsel’ – das kann den unerfahrenen Imker erschrecken und führt zu Problemen wenn die Völker zu früh erweitert wurden. Zuerst schlüpfen viele neue Bienen, die Völker sehen sehr stark aus. Ein paar Tage später, sind die Völker plötzlich deutlich kleiner – was ist passiert? Im Massenwechsel fliegen die restlichen Winterbienen ab, sobald genug junge Bienen da sind. Das ist ganz normal, die Völker entwickeln sich sehr schnell weiter. Wurde allerdings früh zu viel Raum gegeben, kann es dem Volk jetzt zu kalt werden und die Entwicklung wird gehemmt.

Schwarmverhinderung

Schwärme kann es schon im April geben, wenn die Königin gerne schwärmt und die Entwicklung oder Platz in der Beute nicht korrekt angepasst wird. Die Variante laufend komplett durchzusehen und jedes Näpfchen oder Weiselzelle zu entfernen gefällt mir gar nicht. Und es ist mir auch viel zu viel Arbeit. Dazu kommt das Risiko eine einzige Zelle zu übersehen, am liebsten nach der dritten Woche intensiver Kontrolle und der Schwarm hängt trotzdem am Baum.

Völker die mehr als einzelne Näpfchen bauen und somit Zeichen in Richtung schwarm setzen, werden bei uns aus dem normalen Ablauf genommen. Wir verzichten bei diesen Völkern auf die Honigernte und teilen diese je nach Stärke in zwei oder drei Ableger. Ein Teil des Volkes kann am alten Standplatz bleiben, ohne der alten Königin. Stehen noch keine Reinzuchtköniginnen zur Verfügung, dürfen die Bienen eine Waben mit frischen Eiern nutzen um sich selbst eine Königin zu ziehen. Ein Teil des Volkes kommt mit der alten Königin auf einen anderen Bienenstand. Geht sich ein dritter Teil aus, kommt dieser auch mit einer Waben frischer Eier auf einen anderen Bienenstand. Die alte Königin (und bei Bedarf auch die neuen Königinnen der Ableger) können später im Jahr durch eine neue Reinzuchtkönigin ersetzt werden. WIr haben für diese Völker eigene Ablegerstände damit es keine Konflikte und Räubereien gibt. Alle so erstellten Ableger sollten zumindest 1-2 mal mit 3:2 Zuckerlösung gefüttert werden, dann nur bei Bedarf. In manchen Jahren fallen so nur einzelne oder bis zu 20-30 Prozent der Völker aus der Honigernte. Wir ersparen uns aber viel Zeit und haben bereits Ableger für den Verkauf oder die nächste Saison erstellt.

Ein Kunstwerk, aber leider kein gutes Zeichen
Imkernachwuchs bei der Kontrolle Anfang April

Wärmebehandlung

Werden Ableger mit Brutwaben erstellt, sollten die Brutwaben behandelt werden, damit die Ableger möglichst wenig Milben weiterzüchten. Das geht perfekt mit dem Varroa-Controller. Da es in diesem Jahr neue Modell geben wird, verschiebe ich die genaue Erklärung der Behandlung auf die Mai-Ausgabe.

Besucher am Bienenstand

Mir ist die offene Form der Imkerei sehr wichtig – unsere Kunden sollen die Bienen hautnah erleben und möglichst viel über diesen faszinierenden Bereich in der Tierwelt erfahren. Im Jänner habe ich den Nutzen der Honigbiene aufgeschlüsselt – der Honig beträgt da nur etwa 6 Prozent, steht aber bei vielen Imker total im Fokus. Ich sehe es als unsere Aufgabe, hochwertigen, regionalen Honig in bester Qualität zu produzieren. Aber noch wichtiger ist es, den Kunden, Menschen und vor allem den Kinder alle Details der faszinierenden Bienenwelt zu zeigen und dabei auch die Wichtigkeit der Bienen und die aktuellen Probleme sehr nahe zu bringen.

Dafür ist bei uns der österreichweite Tag des offenen Bienenstocks (immer der dritte Sonntag im Mai) ein wichtiger Termin. Wir haben im Schnitt rund 300 Besucher die sich informieren, den Betrieb besichtigen und ganz genau in den Bienenvölker schauen können. Hautnah, das bedeutet die Bienen ohne Schutzkleidung zu erleben. Das geht wunderbar, wenn der Imker ein gutes Gefühl für die Bienen hat und mit guten Material (Königinnen) arbeitet.

Um die Kinder kümmern wir uns ganz besonders. Seit mehreren Jahren gibt es in der Stadt Salzburg die Bienenprojekte. In diesem Rahmen haben wir rund 20 Schulklassen und 15 Kindergartengruppen. Zuerst gibt es einen Besuch in der Schule, mit Bienenunterricht, Schaukasten in der Klasse und einem Bienenstock den die Kinder selbst bemalen dürfen. Ein paar Wochen später besuchen uns die Klassen am Lehrbienenstand und stecken vor Neugierde teilweise bis zum Hals in den Völkern. Hautnah, ohne Schutzkleidung. Wir teilen die Klassen in zwei Gruppen auf, zwei Imker arbeiten jeweils mit einer Gruppe an zwei Völkern. Die Kinder bekommen vorab ein Infoblatt und sind gut vorbereitet (siehe Download). So kommen wir pro Saison auf nur 1-2 Bienenstiche, aber die Kinder sprühen vor Begeisterung. Den bemalten Bienenstock stellen wir an öffentlich zugänglichen Bienenständen auf, die Kinder können ‘ihr Bienenvolk’ jederzeit besuchen. Das machen sie vor lauter Begeisterung oft noch am gleichen Tag mit den Eltern – und auch in den Monaten danach. Das ist in diesem Umfang nur mit finanzieller Unterstützung der Stadt möglich, das ist sicher auch in eurer Gemeinde/Stadt möglich.

Bitte nutzt den Tag des offenen Bienenstocks selbst für eine (kleine) Veranstaltung!

Besuch der Schulklassen am Lehrbienenstand
Die Bienenweide am besten mit den Kinder pflanzen

APRIL
– Zustand kontrollieren
– Futterkontrolle
– Kompaktes Brutnest
– Erster Honigraum
– Schwarmverhinderung
– Vorbereitung Tag des offenen Bienenstocks

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