April, Biezen Wien

Überfluss an Nektar und Pollen.

Im April zeigt einem der Bien welche Kraft in ihm steckt. Mit dem Überfluss an Pollen und Nektar beginnt das Volk zu wachsen. Junge Bienen sind jetzt im Volk und können für neuen Wabenbau sorgen. Die Königin beginnt die ersten Drohnenzellen zu bestiften sobald sie vorhanden sind. Überschüsse an Nektar werden bereits eingelagert und zu Honig verarbeitet.

Zu dieser Zeit werden oft mehr Brutzellen gepflegt, als Bienen im Stock vorhanden sind. Da ja nicht alle Bienen mit der Brutpflege beschäftigt sind, wird hier Unglaubliches geleistet. Meist ist das auch der Zeitpunkt im Jahr, zu dem Brutkrankheiten ausbrechen können, da die Pflegebienen mit ihrer Leistung an ihre Grenzen stoßen. Wir Imker*innen müssen unsere Neugierde jetzt im Zaum halten, um unsere Bienen nicht unnötig zu stören.
http://www.bienenzukunft.ch/sites/default/files/volksentwicklung_2008_d.pdf

Arbeiten am Bienenvolk

Ab jetzt wird die Saison rasch voranschreiten und wir Imker*innen haben uns hoffentlich gut vorbereitet, um die kommenden Arbeitsspitzen gut zu meistern. Ab jetzt sollte der Großteil des benötigten Materials vorbereitet und kurzfristig einsetzbar sein. Es ist mühsam, sich jetzt mit dem Rähmcheneinlöten, der Reparatur von Beuten oder mit Materialbesorgungen zu beschäftigen.  Einzig und allein die Bürokratie lässt sich nicht vermeiden: Am 30. April ist der Stichtag für die Aktualisierung der Bienenstände im VIS. Alle müssen bis spätestens 30. Juni entweder selbst aktualisieren oder die Anzahl ihrer Bienenstöcke im Verein bekannt geben, falls die Aktualisierung über den Verein läuft. Die wichtigsten Faktoren im Bienenvolk, die wir jetzt im Auge haben müssen, sind Platz und Futter. Bei Schlechtwettereinbrüchen müssen ausreichend Futterreserven vorhanden sein. Ein Bienenvolk kann im April bei einem Wettersturz bis zu einem Kilogramm an Futter pro Woche benötigen. Weiters ist es wichtig, für das richtige Maß an Platz für weitere Brut, für das Anlegen von Drohnenzellen und Lagerung des Honigs zu sorgen. In der Natur ist der Raum vom Nistplatz, den die Bienen gewählt haben, fix vorgegeben und begrenzt. Die Magazinimkerei gibt uns die Möglichkeit, den Raumbedarf der Bienen je nach Volksstärke und abhängig vom Wetter anzupassen. Richtig angewendet erhalten wir so auch einen höheren Honigertrag und eine geringere Schwarmlust.

Raumbedarf

Der Raumbedarf eines Bienenvolkes ist abhängig von der Volkstärke und muss individuell angepasst werden. Wir bemühen uns aus wirtschaftlichen Gründen, möglichst einheitliche Volkstärken auf Ständen zu haben. Einheitliches Alter und Abstammung der Königin erleichtern die Arbeit wesentlich. Die meiste Arbeit machen Schwächlinge, aber auch zu starke Völker. Bei den einen ist man meist zu spät dran, bei den anderen immer zu früh.

Großraumbeuten auch ohne Schied

Der angepasste Brutraum ist gerade sehr in Mode; jedoch ist die Idee, optimale Wärmebedingungen im Brutraum zu schaffen, grundsätzlich nichts Neues. Um in Großraumbeuten dem Raumbedarf der Völker einzustellen, wird ein Schied verwendet.

Schiede können einfache Holzplatten oder auch sehr ausgetüftelte isolierte Wärmeschiede aus alukaschierten Dämmplatten oder Hartfaserplatten mit einer Heizkörperklebefolie sein. Grundsätzlich hat ein Schied dieselbe Größe wie ein normales Rähmchen und muss von den Bienen vollständig umlaufen werden können! Für Bioimkerein wollen wir Versuche mit Hanf-, Schafwoll- und Korkdämmung versuchen.

Thermoschied aus alukaschierter Dämmplatte für Bodendämmung.

Dadurch, dass unsere Völker im Sommer durch die totale Brutentnahme neues Wabenwerk aus Anfangsstreifen angelegt haben, ist momentan noch gut ein Drittel der Rähmchenfläche leer und somit noch nicht ausgebaut. Dadurch ergibt sich ein natürlicher “Platzmangel” des Bienenvolkes, da sie die Waben im Brutbereich erst nach unten selbstständig erweitern müssen. Für uns hat das den Vorteil, dass wir uns um den Raumbedarf in der Großraumbeute nicht kümmern müssen und sich das Bienenvolk selbstständig erweitert. Wenn der Bien bauen möchte kann er das jederzeit machen, ohne dass wir einen Eingriff machen müssten. Dasselbe gilt für den Drohnenbau: Jedes Volk kann nach Bedarf Drohnenzellen anlegen wo und wie viele es benötigt, ohne dass wir uns darum kümmern müssen. Nebenbei müssen wir als Biobetrieb auch für 10% Naturbaufläche sorgen, was somit leicht erreicht wird.
Im Durchschnitt ersparen wir uns beim Großraumsystem im Vergleich zur Vollzargenbetriebsweise gut ein Drittel der Arbeit. Mehr darüber werden wir euch im laufe des Jahres dazu erklären.

Genug freie Fläche für Naturbau und Drohnenzellen.
Anordnung der Waben vor/nach Erweiterung.

Platz schaffen im Brutraum

Vor dem Erweitern eines Volkes entnehmen wir überschüssige Futterwaben aus den Völkern. In Summe müssen mindestens zwei volle Futterwaben – bei Flachzargen vier – als Reserve im Volk verbleiben. Diese Reserve muss für die Bienen immer erreichbar sein ohne als Schied zu fungieren und die Brutfläche zu begrenzen.

Die entnommenen Futterwaben lagern wir gut verschlossen in Zargen oder Kunststoffkisten (Ikea: Sammlerboxen) und werden sie für Notfälle nach Kälteeinbrüchen oder für die Ablegerbildung verwenden.

Pollenwaben hängen wir an den Rand; bei Überschuss (mehr als eine halbe Wabe) werden sie ebenfalls entnommen. Der restliche Raum in der ersten Zarge kann mit Mittelwänden ausgefüllt werden. Dabei sollte der Brutsitz der Bienen nicht zerteilt werden. Mittelwände werden am Rand (Position 1 und 10) nur schlecht ausgebaut und sollten deshalb zwischen zwei ausgebaute Waben, bzw. am besten an den Brutsitz gehängt werden.

Wie oben besprochen benötigen wir in der Großraumbeute bei unserer Betriebsweise kein eigenes Drohnenrähmchen, da im Frühjahr noch genügend Platz zur freien Gestaltung für die Bienen vorhanden ist. In den anderen Völkern hängen wir nahe am Brutnest ein komplett leeres Rähmchen ohne Anfangsstreifen ein, das in dieser Jahreszeit gerne für Drohnenbau angenommen wird.

Das Drohnen/Baurähmchen sollte zwischen zwei ausgebaute Waben gehängt werden, an denen die Bienen sich beim Bauen orientieren können.

Bei den Völkern auf Flachzarge wählen wir dieselbe Vorgangsweise wie in der Großraumbeute, da der vorhandene Platz ja gleich groß ist. Die Flexibilität der Waben ist hier natürlich größer, und bei Bedarf kann umgehängt werden.

Zeitpunkt des Erweiterns

Der Zeitpunkt für die Erweiterung ist im Großraumsystem gleich wie bei der Vollzargenbetriebsweise. Ab dem Einsetzen der ersten Nektartracht kann aufgesetzt werden. Grundsätzlich ist die Kirschblüte der späteste Zeitpunkt für die erste Erweiterung. Ab der Kirschblüte kommt reichlich Nektar ins Volk, der, wenn kein anderer Platz vorhanden ist, im Brutnest eingelagert werden muss. Honig und Pollen im Brutnest fördern das Erwachen des Schwarmtriebs!

Zur Erinnerung: Alle unsere Völker werden einräumig überwintert! Die Großraumbeuten und Flachzargen werden ab jetzt nur mehr mit Honigräumen erweitert. Bei der Vollzarge fehlt uns zusätzlich noch der zweite Brutraum.

Wir setzen die ersten Honigräume des Jahres nach Möglichkeit mit ausgebauten, Honigwaben aus dem Vorjahr auf. So werden sie weit schneller angenommen, als es bei Mittelwänden der Fall wäre. Mittelwände im Honigraum kommen bei uns erst später im Jahr zum Einsatz, wenn die Volksstärke bereits sehr stark ist. Das ist ca. ab der dritten Flachzarge oder nach der ersten Ernte. Wenn ein Honigraum zu gut zwei Dritteln gefüllt ist, wird der nächste aufgesetzt. Wenn Massentracht ansteht (Raps und Akazie) ist es notwendig für noch mehr Platz zu schaffen, da der Nektar bis zu drei Mal so viel Volumen benötigt, bevor dieser in Honig eingedickt wird. Am besten gleich mit zwei Honigräumen erweitern!

Erweitern der Vollzargen mit dem zweiten Brutraum ohne ASG (Kirschblüte)

Anders ist die Situation mit Vollzargen: Da nur unbebrütete Waben aufbewahrt werden und wir ein gemischtes System mit Flachzargen als Honigräume haben, muss die Brutraumerweiterung im Vollzargensystem mit Mittelwänden erfolgen.

Beim Aufsetzen mit Mittelwänden gibt es die oben diskutierte Problematik mit dem Aufsteigen in die nächste Zarge. Wenn die Völker aber stark genug sind – d.h. sechs Brutwaben und mindestens acht Rähmchen gut mit Bienen besetzt sind – werden sie bei einer Vollzarge meist von selbst nach oben gehen. Wer den zweiten Brutraum untersetzt wird merken, dass dieser kaum angenommen wird. Kann es sein, dass dieser von den Bienen nicht benötigt wird?

Wenn vorhanden, kann eine ausgebaute Wabe als Aufstiegshilfe in die Mitte der oberen Kiste gehängt werden. Nach einer Woche wird kontrolliert, ob die Bienen aufgestiegen sind. Um das Aufsteigen zu beschleunigen und wenn für mindestens eine Woche schönes Wetter angesagt ist, können zwei Brutwaben nach oben in die Mitte gehängt werden. Die entnommenen Mittelwände werden unten an das Brutnest gehängt.

Starke Völker werden bei uns gleichzeitig mit zweitem Brutraum und dem ersten ausgebauten Honigraum erweitert. Hier ist ein Absperrgitter notwendig, damit die Königin bei Platzmangel nicht in den Honigraum aufsteigt, bevor die Brutzarge überhaupt fertig ausgebaut ist. Gleichzeitig haben die Arbeiterinnen schon ausreichend Platz, Nektar einzulagern und klatschen nicht jede Zelle im Brutraum voll. Dieses Vorgehen eignet sich besonders, wenn sehr früh eine ertragreiche Tracht erwartet wird.

Bei durchschnittlichen oder schwachen Völkern wird der Honigraum meist erst mit Ende der Obstblüte oder Beginn der Rapsblüte aufgesetzt.

Wenn die Kirsche blüht ist das Überleben des Volkes gesichert.

Frühes Aufsetzen des Honigraumes mit Absperrgitter (Kriecherlblüte)

Marian hat im letzten Jahr seine Großraumbeuten und auch die Vollzargen bereits ab der Kriecherlblüte, bzw. je nach Lage ein bis zwei Wochen vor der Kirschblüte mit Absperrgitter und einem ausgebauten Honigraum erweitert. Das hat er unabhängig von der Stärke der Völker und vom Beutensystem gemacht – Schwächlinge sind ja bereits vom Stand entfernt oder aufgelöst worden! Dadurch, dass Flachzargen als Honigräume verwendet werden, ist der Wärmehaushalt nur wenig gestört. Bei einer Kontrolle zu Beginn der Kirschblüte waren bereits die Honigräume gut besetzt und auch der erste Honig in den Waben.

Den Vollzargenvölkern wurde zur Kirschblüte dann jeweils der zweite Brutraum mit Mittelwänden unter den Honigraum und dem ASG zwischengesetzt. Dadurch, dass die Bienen bereits begonnen haben, den Honigraum zu nutzen, ergibt sich ein natürlicher Bienenstrom durch die zweite Vollzarge in den Honigraum. Der zweite Brutraum wird ohne viel Zutun selbstständig angenommen.

Das frühe Aufsetzen ist vor allem mit Absperrgitter von Bedeutung, weil es für die Bienen wenig attraktiv ist, durch das Gitter zu laufen. Den Honigraum früh aufzusetzen bedeutet, ihnen mehr Zeit dafür zu geben, die neuen Waben zu belaufen und so dafür zu sorgen, dass es in jedem Fall rechtzeitig Platz für den ersten Nektar gibt.

Absperrgitter

Katrinka arbeitet bis auf Ausnahmen ohne Absperrgitter, Marian setzt seit etwa zwei Jahren Absperrgitter im normalen Jahresverlauf ein.

Der Vorteil beim Absperrgitter ist ohne Zweifel die einfache Trennung von Brut und Honigwaben. Denn selbst bei zwei Vollzargen Brutraum kann es passieren, dass die Königin in den ersten Honigraum klettert. Oft ist die untere Zarge bei zwei Vollzargen in solchen Fällen nur teilweise bebrütet. Unter dem Jahr entwickeln sich Völker oft nach oben, während die unteren Kisten immer leerer werden oder mit Pollenbrettern aufgefüllt werden. Ein Absperrgitter zwischen Brutraum und Honigraum stellt in solchen Fällen keine Einschränkung des Brutraums dar, sondern manipuliert nur, wo die Brut angelegt wird und hält das Volk unten. Auch in der Großraumbeute ist das ähnlich. Hier ist aber besonders darauf zu achten, dass das Brutnest nicht verhonigt. Rechtzeitiges Aufsetzen ist unbedingt nötig! Da für die Gewinnung des Honigs eine große Radialschleuder verwendet wird, können sogar Jumbowaben ausgeschleudert werden. Das wird aber bei uns erst am Ende der Saison notwendig.

Wer am Anfang seiner Imkereitätigkeit steht bzw. noch keine ausgebauten Honigräume hat, sollte fürs Erste kein Absperrgitter verwenden, da im offenen System Honigräume mit Mittelwänden viel leichter angenommen werden. Ein ASG mit folgenden Mittelwänden ist hoch unattraktiv für Bienen!

Absperrgitter im Rahmen lassen sich bei richtiger Bauform sehr leicht einsetzen. Leider wird von Hersteller oft der Beespace nicht eingehalten. die Gitter werden dann von den Bienen verbaut.

Absperrgitter gibt es in verschiedenen Ausführungen. Rundstabgitter liegen oft direkt auf den Oberträgern der unteren Kiste auf. Bei den meisten Absperrgittern mit Rahmen wird der Beespace (8mm vom Oberträger zum ASG und dann wieder 8mm vom ASG zum Unterträger der Rähmchen der folgenden Zarge) nicht eingehalten, was zum Wildverbau der Gitter führt (nachmessen vor dem Kauf!). Gestanzte Blechgitter haben sehr scharfe Kanten und können Bienen verletzen, wenn sie nicht geschliffen werden. Kunststoffgitter können wir wegen ihrer Kurzlebigkeit und aus ökologischen Gründen nicht empfehlen.

Ein Nachteil des Absperrgitters ist auf jeden Fall, dass Bienen länger brauchen, um in die nächste Kiste aufzusteigen, vor allem wenn noch reichlich Futterkappen vorhanden sind. Generell ist der Honigraum über dem Absperrgitter etwas weniger besetzt, was zu geringfügig niedrigeren Temperaturen und somit zu einer langsameren Reifung des Honigs führen kann. Wir sind jedenfalls gespannt, was der April uns bringt – von Frost bis sommerlicher Wärme ist ja bekanntlich alles möglich, und dementsprechend unvorhersehbar ist auch die Entwicklung unserer Völker!

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