Juni, Dietmar Niessner

Juni, Schwarmzeit! Egal ob Kunst- oder Naturschwärme, dies ist die Gelegenheit, sich ans Projekt „Naturwabenbau“ zu wagen. Was versteht man unter Naturwabenbau?

Der eigene Wabenbau

Bienen haben von sich aus das Bedürfnis sich ihren eigenen Wabenbau zu errichten. Wabenbau, der nicht nur für die Aufzucht der Brut, sondern auch als Honigdepot und als Fett-Eiweisslager für Pollen, sowie als Kommunikationszentrum dient. Für das Projekt Naturwabenbau bieten sich vor allem die Großwaben an.

Traditionell verwenden Imker Mittelwände , um ein halbwegs geordnetes System in den Wabenbau zu bekommen. Dies hat mit der Geschichte der Imkerei zu tun, aber auch mit der Wirtschaftlichkeit. Naturwabenbau verbraucht Energie in Form von Honig. Dies wird aber dem Großteil unserer Jungimker wohl egal sein, da die Faszinationder Naturwabe überwiegen wird. Naturwabenbau bringt eben eine tolle Erfahrung mit sich, eine Gelegenheit den Urinstinkt der Biene kennenzulernen. Und es ist einfach faszinierend, das langsame Wachsen einer Wabe mitzuverfolgen. Einer Wabe, nicht aus Plastik, sondern aus der Energie von Sonne, Nektar und Blütenstaub.

Beginn eines Naturwabenbaus.
Der Naturwabenbau nach der Auswinterung.
Im Frühjahr wird an der Wabe weitergebaut.
Horizontale Ausdehnung des Wabenbaus in der Bienenkiste.

Anfangssteifen

Wie geht man das Projekt an? Gedrahtete Rähmchen werden nicht mit Mittelwänden, sondern nur mit Anfangsstreifen ausgestattet. Hier zeigen sich oft die ersten Probleme, wenn die Drahtung senkrecht verläuft und der Anfangsstreifen durch das Gewicht der Bienentraube zu rutschen beginnt. Abhilfe schafft hierbei eine schräge Drahtung, wie sie früher üblich war. Die Bienen beginnen an mehreren Stellen mit ihrem Werk, das langsam zu einem Ganzen verschmilzt. Ein normaler Schwarm wird sich in dieser Phase vor allem Arbeiterinnenzellen widmen.

Eine andere Möglichkeit des Naturwabenbaues ergibt sich in Kombination mit der Brutentnahme zur Varroaregulation im Juli. Es werden nach dem Abschleudern alle Brutwaben entnommen und in Brutscheunen zum Schlüpfen gebracht. Das abgekehrte Volk kommt auf neue Rähmchen mit Anfangsstreifen und wird gefüttert. Was dabei auffällt ist, dass die Bienen die Waben nicht so wie bei Mittelwänden vollständig ausbauen, sondern
irgendwann auf halber Höhe den Bau einstellen. Dies kann unter Umständen zu Problemen mit dem Unterbringen vom notwendigen Winterfutter kommen. Diese halb ausgebauten Rähmchen werden im Frühjahr wieder erweitert, zumindest so meine Beobachtungen bei meinen Jumbowaben.

Naturwabenbau läßt sich in jedem System bewerkstelligen. Einschränkungen gibt es bei der 2-Raumüberwinterung. Hier muss man darauf achten, für den 2. Raum nur vollständig ausgebaute Naturwaben einzusetzen, da die Bienen den großen Abstand von der unteren zur oberen Wabe im Winter nicht überwinden können und neben vollen Waben verhungern würden. An dies mögen vor allem unsere Flachzargenimker denken.

Top bare hive

Ein Schwarm in einer top bare hive.

Naturwabenbau ist auch Bestandteil von Beutensystemen wie Warreé oder Bienenkiste. Ich habe in meiner Imkerei seit meines Besuchs bei Bauern in Äthiopien eine Top bare hive im Einsatz. Ein Beutensystem, das v.a. in der Entwicklungshilfe sinnvoll eingesetzt wird und auch in Amerika eine große Fangemeinde hat. Das wesentliche daran ist das Ersetzen der Rähmchen durch einfache Oberträger, sowie die schrägen Seitenwände. Es braucht dazu keine Massgenauigkeit, es wird an Material eingesetzt was vorhanden ist, Zweige, Rinden, mit Lehm und Dung verschmiert. Aber dieses System hat einen Vorteil: Den beweglichen Wabenbau. So kann man den Honig ernten ohne das Volk aus seiner Behausung zu vertreiben, wie es in den traditionellen Röhrensystemen üblich ist. Ein nachhaltiges Imkern für den afrikanischen Raum also.

Und genau so ein System empfehle ich extensiven Imkern, wenn sie Lust auf Honiggatschen und Honig auspressen haben, wenn sie keine großen Investitionen tätigen wollen (kommt eh von selbst) Der Wabenbau bleibt beweglich und kann jederzeit inspiziert werden. Für mich ist sie ein Lehrstück aus dem Hochland von Äthiopien, sie hat ihre eigene Geschichte. Aber es ist eben bei der TBH sehr eindrucksvoll das Wachsen des Wabenbaues in die Horinzontale zu erleben.

Andere Formen des Naturwabenbaues finden wir in den Schaubeuten der Garten Tulln oder Schönbrunn, wo ein hohler Baum Unterkunft für ein Bienenvolk wurde und hinter Glas seinen Wabenbau in voller Größe und Eleganz entwickeln kann.

Bienenkonferenz

Der Naturbau wächst kontinuierlich.

Naturwabenbau ist 1 Bestandteil der wesensgemäßen Bienenhaltung. Bei der Bienenkonferenz „meet the bees“ in Wien ging der Referent Johannes Wirz vom Verein Mellifera e.V, Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung, auf die Kriterien für wesensgemäße Bienenhaltung ein.

Naturwabenbau, Vermehrung über den Schwarmtrieb sowie die freie Begattungsmöglichkeit der Königin sind wesentliche Kriterien die zu erfüllen sind. Was mich aber dabei besonders gefreut hat, seine Aussage, dass diese Kriterien nicht an bestimmte Beutensysteme gebunden sind. Wesensgemäße Bienenhaltung ist auch in unseren traditionellen Magazinen möglich, mit dem positiven Nebeneffekt, ich kann die Waben auch schleudern. Was ich bei TBH, Warreé oder Bienenkiste nicht kann.

Meet the Bees war eine überaus interessante und tolle Veranstaltung. Es waren wirkliche Bienenforscher anwesend, Leute wie Ritter, Tautz, Bachinger von der Boku oder Brotschneider von Graz, die saubere Arbeiten präsentierten. Umso enttäuschender, dass in dieser Runde auch Initiativen wie dem Bienenschutzgarten oder dem Stadtimkerverein eine Präsentationsmöglichkeit geboten wurde. Sonderbar irgendwie der Auftritt vom Bienenschutzgarten, der seine „Bienenwiegen“ als Kursangebot zur Bienenrettung verkaufte oder der Obmann der Stadtimker, Munck der den Bienenboom in der Stadt kritisierte, wobei gerade er auf allen Kirchtürmen mit seinen Bienen sitzt und das Areal „Stadt“ für sich allein gerne beansprucht. Den Vogel schoss er aber ab, als er die Imkervereine als rechtsradikal und die Gesetzt (wahrscheinlich die Bienenzuchtgesetzte) als nationalsozialistisch bezeichnete. Und sonderbar – es gab keinen Protest der Anwesenden!

Eine weitere Aussage der Tagung: Bienen brauchen einen blühenden Sommer und Frühherbst, fette Winterbienen danken es uns. Eine genauere Zusammenfassung der Tagung kommt sicher in der „Bienen aktuell“.

Nachdenklich macht dabei ein Artikel im Standard vom 24.4.2014:
http://derstandard.at/1397521442870/Gartenpflanzen-sind-massiv-mit-Pestiziden-verseucht
Bzw. auf der HP von Greenpeace:
http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/Reports/Bienen/landwirtschaft_giftiger_garten_eden_DE_2014.pdf

Hier sind wir gefordert durch Information der Bevölkerung den Einsatz der Neonics im Hausgartenbereich einzudämmen.

Skurrile Aussagen bei der Bienenkonferenz.

Ideen der Anfänger

Platzsparende Wandschleuder.

Als langjähriger Imker hat jeder sein eigenes System, das sich bewährt hat. Aber ich liebe meine AnfängerInnen von den Kursen. Und ihr werdet es nicht glauben, ich lerne auch von ihnen. Beispiel, wie hat eine Schleuder auszuschaun? Na eh klar, Tonne mit Wabentaschen und drehbar, elektrisch, Edelstahl, …oder doch platzsparend an die Wand zu montieren? Gibt’s nicht. Oh doch.

Claudia hat sich so ein edles Ding aus Dresden eigenhändig geholt und ich finde es einfach toll, ein wahres Kultgerät aus den alten DDR Zeiten? Eine Wandschleuder, ein Blickfang fürs Wohnzimmer oder Küche? Also, viel zu schade für den Keller, tät ich sagen. Oder Mathias, der von einer genossenschaftlichen Honigverarbeitung in der Stadt träumt! Da wächst eine neue Generation heran, ich bin schon neugierig, wie Imkern in 20 Jahren aussehn wird.

Proplis ernten

Nicht vergessen, liebe JungimkerInnen. Mit der Sommersonnenwende beginnen die Bienen mit dem Winterdichtmachen ihrer Beuten, d.h. wer will, kann jetzt mit den Propolisgittern Propolis ernten. Gitter auf die Rähmchenoberseite legen, warten bis sie verkittet sind und anschließend in der Kühltruhe frosten und durch reiben der Gitter die Propolis ablösen. Reinigen und für den Ansatz mit Alkohol vorbereiten. Faustregel. 30dag Propolis auf 1 Liter 98%igen Alkohol, dunkel und verschlossen ein paar Wochen stehen lassen, öfters umschütteln und durch einen Kaffeefilter abseihen, und die fertige Lösung in ein Labor zur Abdampfbestimmung einsenden. Für die Biovermarktung ist Bioalkohol notwendig, erhältlich bei der Firma Australco in Spillern (googeln).

Achtung: Propolis gilt zwar als Urprodukt, nicht aber Propolislösung. Erkundigt euch bezüglich der neuen Einheitswertfeststellung, da hat sich was geändert. Auskünfte erteilen sicher die Landwirtschaftskmmern. So wünsche ich euch ein freudiges Honigschleudern, es möge euch volle Töpfe bescheren.

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