September, Bienenlieb

Liebe Imkerinnen und Imker,

die totale Brutentnahme bei den Völker ist nun schon ein paar Wochen her. Jetzt bestätigt sich, dass eine Brutentnahme im Sommer eine richtige Gesundheitskur für die Völker ist. Die Bienen haben ein neues, frisches Brutnest angelegt, alle schlüpfenden Bienen sind gesund und können sich intensiv an der Wintervorbereitung beteiligen.

September: nach der totalen Brutentnahme
freuen sich die Bienen und schicken einen Gruß.

Wintersitz

Für die Überwinterung reicht meiner Meinung nach ein Brutraum Enheitsmaß/Zander völlig aus, noch besser ist ein Jumbo-Brutraum. Ein Bienenvolk hat im Winter rund 10.000 Bienen, die finden auf einer Zarge ausreichend Platz und Futter. Die Völker sitzen kompakt, die Mengen bei der Einfütterung sind geringer und auch die Restentmilbung ist leichter durchführbar. Gegen Ende des Winters wiegen und beobachten wir die Völker. War der Herbst lang und warm und ist auch der Winter recht lang, kann es bei der Überwinterung auf einer Zarge mit dem Futter knapp werden. Dann besteht die Möglichkeit leicht zuzufüttern, die Bienen haben immer noch einen kompakten Brutraum in dem sie sich ab Jänner gut gewärmt entwickeln und wieder vermehren können.

Herbstrevision

Jetzt nach der zweiten Fütterung werden die Völker noch einmal genau beurteilt. Wie stark ist das Volk? Ist das Brutnest schön? Wie ist der Futtervorrat im Vergleich zu den anderen Völkern? Auch jetzt wird es einzelne Völker geben, die deutlich abweichen. Ist ein Volk besonders stark, kann eine Brutwabe (ohne aufsitzende Bienen) entnommen und damit ein schwächeres Volk verstärkt werden. Ist ein Volk deutlich schwächer, ist es besser dieses über Zeitungspapier auf ein junges Volk aufzusetzen und die beiden so zu vereinigen. Lieber zwei Völker zusammenlegen und damit ein Volk überwintern als das Risiko einzugehen, beide Völker zu verlieren.

Bienenvölker die jetzt keine Königin haben, werden 30-40 Meter entfernt abgekehrt, so können die Arbeiterinnen die anderen Völker am Bienenstand verstärken.

Der letzte Eingriff in den Brutraum sollte im August stattfinden. Danach schaffen es die Bienen nur mehr schwer, neue Waben auszubauen und diese ordentlich in das Brutnest zu integrieren. Brutwaben werden jetzt überhaupt nicht mehr bewegt. Wenn noch weiter gefüttert wird können bei Bedarf leere Futterwaben direkt vor der Fütterung näher an das Brutnest gehängt werden, die vollen und verdeckelten Futterwaben kommen an den Rand.

Varroa-Kontrolle

Im September ist die laufende Varroa-Kontrolle extrem wichtig. Haben die Völker noch viele Milben (was nach einer totalen Brutentnahme grundsätzlich nicht sein kann) oder ist die Reinfektion sehr stark, war die ganze vorherige Arbeit umsonst. Durch die hohe und weiter steigenden Varroa-Belastung kommt das Volk nicht zur Ruhe. DIe Königin brütet immer weiter, obwohl sie in Richtung Brutpause gehen sollte. Das verhindert später eine erfolgreiche Restentmilbung. Ist die Varroa-Belastung sehr hoch, überleben die Völker den Winter überhaupt nicht, da sie es nicht schaffen eine ruhige und kühle Wintertraube zu bilden. Wird im Volk noch gebrütet, heizen die Bienen das Brutnest auch im Winter weiterhin auf 36.5 Grad. Das ist sehr anstrengend, Bienen die zu weit nach Außen gehen verklammen und können nicht mehr zurück. Ist das Bienenvolk zufrieden und legt eine Brutpause ein, senken die Bienen die Temperatur in der Wintertraube auf 15 Grad und weniger. So ist eine Überwinterung mit wenig Energiebedarf und Bienenverlusten möglich.

Schöner, frischer Wabenbau und ein neues Brutnest – nur drei Wochen nach der Brutentnahme.
Im Jumbo-Brutraum sieht man die natürliche Brutnest-Form sehr schön.

Deshalb wird jetzt jede Woche die Stockwindel gereinigt und der natürliche Milbenabfall beobachtet. Hier werden ganz klar die Unterschiede der Standplätze und das Risiko einer Reinfektion deutlich. An manchen Standplätzen ist alles in Ordnung, 1-2 Milben pro Woche sind kein Problem. Aber auch an diesen Plätzen gibt es immer wieder einzelne Völker die deutlich mehr Milbenabfall haben und aus der Reihe fallen. An anderen Standplätzen ist der natürliche Milbenabfall im September generell viel höher. Das liegt an der Reinfektion. Völker am eigenen Bienenstand oder in der Umgebung die stark mit Milben belastet sind, verteilen die Milben auf alle anderen Völker. Bienen die ihr Volk schützen wollen, fliegen mit einer oder mehreren Milben aus dem Volk und suchen bei einem anderen, gesunden Volk Unterschlupf. So verteilen sich viele tausend Milben innerhalb kurzer Zeit auf benachbarte Völker.

Stockwindel nach einer Oxalsäurebedampfung.
Ein schönes und starkes Jungvolk im September.

Liegt der natürliche Varroa-Abfall in etwa bei einer Milbe pro Tag (ca. 7 nach einer Woche) sollte das jeweilige Volk noch einmal behandelt werden. Am effektivsten geht das mit einer Oxalsäurebedampfung von oben (Oxamat). Es kann auch flüssige Oxalsäure in die Wabengassen geträufelt werden, allerdings ist dann die Verteilung auf den Bienen bei weitem nicht so zuverlässig. Effektiv, einfach und bienenschonend wäre jetzt auch alle Waben mit 15%iger Milchsäure-Lösung zu besprühen, leider gibt es dafür in Österreich derzeit keine Zulassung. Nach dieser ersten Behandlung der Milben auf den Bienen (die Milben in der verdeckelten Brut werden damit ja nicht erreicht) ist es interessant, wie viele Milben abfallen. Ist der Milbenabfall gering, ist alles in Ordnung. Sind nach der Behandlung viele Milben abgefallen, verstecken sich noch viele weitere Milben in der verdeckelten Brut. Je nach Befall gibt es jetzt zwei Möglichkeiten: bei extrem hohen Befall werden die verdeckelten Brutwaben komplett entnommen. So hat das Volk ein letztes Mal die Chance von neu schlüpfenden kranken Bienen und den Milben befreit zu werden und eine Generation gesunde Bienen aufzuziehen. In den anderen Fällen hat sich eine Behandlung der verdeckelten Brutwaben Mitte September im Varroa-Controller sehr bewährt. Das Klima ist noch warm genug, eine Behandlung kann gut durchgeführt werden. Die Milben in der verdeckelten Brut werden geschädigt und sterben ab, die Bienen können ohne Milben schlüpfen und wieder eine gesunde Generation aufziehen. Und es gibt keinen Eingriff in das Brutnest. Ganz wichtig: die Brutwaben wieder in der gleichen Richtung und Reihenfolge in das Volk zurückhängen!

Blockbehandlungen mit Oxalsäure (oder ähnlichem) die nur auf die aufsitzenden Bienen abzielt, ist einerseits sehr viel Aufwand und bei stark belasteten Völker nicht effektiv. Es werden sich immer sehr viele Milben in der Brut verstecken, das Volk kommt somit nicht zur Ruhe.

Fluglöcher / Wespen

Die Fluglöcher bleiben noch bis Anfang Oktober eingeengt. Die Bienen ziehen sich langsam zurück und bewachen das Flugloch nicht mehr so intensiv. Ein kleines Flugloch ist daher eine Unterstützung. Wespen kommen je nach Jahr mehr oder weniger stark vor und bedienen sich bei den Bienenvölkern. Aber ein starkes, gesundes Bienenvolk mit eingengtem Flugloch hat mit Wespen kein Problem und verkraftet das ganz leicht. Wir haben noch kein einziges starkes und gesundes Bienenvolk an die Wespen verloren.

Fütterung

Anfang September, nach der zweiten bis dritten Fütterung kontrollieren wir den Futtervorrat. Eventuell tragen die Völker noch Nektar ein und brauchen kein zusätzliches Futter mehr. Ansonsten sollte noch ein bis zweimal gefüttert werden, bis spätestens Mitte September. Danach erfolgen keine Eingriffe mehr in die Völker, auch keine weiteren Fütterungen. Eine spätere Fütterung würde wiederum einen Brutreiz auslösen und die Völker kommen nicht zur Ruhe. Das ist in manchen Regionen bei warmen Wetter und Pollenangebot bis Anfang Dezember schon schwierig genug für die Bienen. Ist das Volk aber stark, gesund und hat wenig Milben, klappt es. Um die Völker besser vergleich zu können, hilft eine Feder- oder Zugwaage. Damit kann das Volk hinten angehoben und gewogen werden, das gemessene Gewicht wird mal zwei gerechnet und ergibt einen groben Vergleichswert zu den anderen Völkern.

Futterkranzprobe

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für die Untersuchung der Völker auf Faulbrutsporen. Dazu 2 EL Futter pro Bienenvolk aus dem Futterkranz entnehmen, darauf achten, dass kein Pollen mit kommt. Die Proben am Bienenstand in einem Gefrierbeutel sammeln. Gut verschlossen und beschriftet schickt man diese Probe an eines der zuständigen Labore in Österreich. Die Untersuchung ist durch die Imkereiförderung von Bund und EU kostenlos bzw. mit einem geringen Selbstbehalt verbunden (Infos zu Kosten und Abwicklung bei den Landesverbänden).

SEPTEMBER
– Kontrolle der Völker
– nur starke Völker einwintern
– Fütterung abschließen
– Varroa-Diagnose
– Varroa-Nachbehandlung

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