Die Krisen im Honigglas

Der Klimawandel, der Verlust an Biodiversität, die aktuellen Teuerungen und der Krieg in der Ukraine: „Die großen Krisen unserer Zeit spiegeln sich im kleinen Honigglas wider“, wie die Ö1-Radiosendung auf Saldo schön zusammenfasst.

Letzten Freitag kam auf Ö1 ein spannender Beitrag zu den drastischen Veränderungen am Honigmarkt. Heuer war ein schwieriges Honigjahr, erklärt Imkermeister Marian Aschenbrenner (Vorstand ÖEIB und Leiter des Bienenzentrum Wien). Während die Frühjahrshonigernte überdurchschnittlich gut war, werden die heißen Sommer immer problematischer – und genau zu dieser Zeit würden die beliebten Wald- und Sommerhonige entstehen, die dieses Jahr und die Jahre davor gelitten haben. Wie das? Es ist ein komplexes System: Zunächst braucht es Läuse, die den Saft von Bäumen aussaugen und Honigtau ausscheiden, der wiederum von den Bienen abgesammelt wird. Ausbleibende Niederschläge lassen die Bäume zusehends verholzen, wodurch die Läuse sich nicht mehr am Honigtau laben können. Dazu kommt, dass manche Blüten – wie die der Linde – dieses Jahr vollkommen ausgefallen sind. Die anhaltende Boden-Versiegelung macht die Situation nicht besser: Die Bienen finden keine Nahrung mehr und greifen auf ihre gesammelten Honig-Vorräte zurück. In Summe bedeutet das, dass Imker:innen weniger Honig ernten können, und die Honigsortenvielfalt abnimmt.

Zudem ist die kriegsgebeutelte Ukraine einer der wichtigsten Honig-Produzenten weltweit. Die gesunkenen Importe steigern die Honig-Knappheit weiterhin. Der wenige Honig, der hierzulande dennoch geerntet werden kann, wird dadurch teurer: Eine knapp 25%ige Steigerung (seit Winter 2021) ist bereits geschehen, jedoch kommt die aktuelle Teuerung (Spritkosten, Heizkosten) hier noch dazu: Die Rohstoffknappheit (insbesondere Holz, Edelstahl) trifft auch die Imker:innen hart, die diese Preissteigerungen an die Kund:innen weitergeben müssen. Und während die Anzahl der Bienenvölker in Österreich zwar langsam wieder zunimmt, wird dennoch weniger Honig geerntet, sodass Österreich mittlerweile nur noch 44 % seines Eigenbedarfes decken kann. Eine interessante Entwicklung ist auch der Standort der Bienenstöcke: Am Land stehen immer weniger davon, demgegenüber nimmt die Stadt-Imkerei immer weiter zu. Unter anderem auch in Schönbrunn (Wien), wo Ernst Prem imkert, und seinen Kund:innen ein besonders mühsames Honigprodukt bietet: den Wabenhonig direkt aus dem Stock. Auch wenn das einfach klingt, muss hier einiges zusammenpassen: Es braucht ein starkes Volk, die Verdeckelung der Waben muss weiß sein und auch zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden. Wer will, darf sich die Wabe sogar selbst aus dem Bienenstock herausholen.

Den gesamten Beitrag könnt ihr hier nachhören:

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