März, Dietmar Niessner

„Im Märzen der Bauer den Traktor einspannt, er bringt
seine Maschinen und Spritzen instand…“


Auch in der Imkerei geht’s los, oder ist es etwa schon losgegangen? Ende Jänner, heut ruft mich ein Kollege an: „verdeckelte und teils bereits schlüpfende Brut auf 2 Flachzargenrähmchen!“ Keine Ahnung, was in der Zwischenzeit bis zum Erscheinen der Biene aktuell sich noch tun wird. Ich bin kein Prophet und schon gar nicht ein Wetterfrosch. Also kann ich mich nur auf langjährige Erfahrungen stützen, und ihr seid mir bitte nicht böse, wenn heuer für Ende März Schleuderhinweise angebracht wären!

Buchs: Glücklich, wer noch einen gesunden Buchs sein Eigen nennen darf. Auch hier hat globales Herumschicken von Pflanzen quer über den Globus uns ungebetene Gäste gebracht den Buchsbaumzünsler. Dafür können sich jetzt alle ihre schnellwachsende Buchshecke für den Bauerngarten setzen, als ob ein Bauer früher dafür Zeit hatte, das Gemüsebeet mit einer Buchshecke einzurahmen! Buchs wird aber von den Bienen heiß geliebt und beflogen.

Neuerungen

Das neue Jahr bringt auch für uns Imker Neuerungen, bzw. Bewegung in den Alltagstrott, denken wir nur an die Verhandlungen mit den Zulassungen für Ameisensäure, Oxalsäure – zur Regulierung der Varroamilbe, denken wir an die VIS Ansätze (Verbrauchergesundheitsinformationssystem www. ovis.at), in denen es um die Registrierung der Standorte geht, oder die neue Einheitswertfeststellung, die auch uns Imker betreffen wird. Aber dazu wird vom Imkerbund direkt berichtet.

Imkerszene

Mich bringt momentan eher etwas Anderes in Bewegung, das sind die mit der Schneeschmelze widererstandenen „Bienenstreichler“ und „Bienenschützer“, die die Neuzüchtung der Biene fordern, die das Land gegen einen minimalen Kostenbeitrag von über € 100,-  mit Ablegern überschütten wollen und in unseren Konsumenten, die ein Herz für Bienen haben, nur all zu leichtgläubige Opfer finden.

Huflattich:- Pionier auf Ruderalflächen, begehrte Frühjahresblüte

Ich finde es als Zumutung, wenn gefordert wird, man möge wieder auf die alte Biene zurück züchten, weil ja alle wissen, und es erlebt haben, wie die alte Biene in Österreich war. Da werden die Zuchtbestrebungen von Dr. Pechhacker, der Brüder Ruttner und die der an deren ausgezeichneten Zuchtexperten von Laien in den Medien kritisiert. Als ob mit der Rückzüchtung auf eine weniger ertragreiche dafür aber stechlustigere Biene das Varroaproblem gelöst werden kann! Es mag schon sein, dass eine kontaktfreudigere Biene auch kontaktfreudiger im Umgang mit Schädlingen wie der Varroamilbe ist und denen gegenüber kein Federlesen macht. Aber einer A. Cerana kommen die auch in den wenigen Jahren der Adaptiermöglichkeit noch nicht heran. Varroa-Toleranzzüchtung wird länderübergreifend schon seit Jahren betrieben. Erfolge lassen sich nicht aus der Tasche beuteln, das ist ein langwieriges Projekt, in dem man auf die Mitarbeit vieler Züchter und Züchterinnen angewiesen ist. Je mehr mitmachen, umso größer die Population aus der selektiert werden kann. Das sind einfach Fakten und keine Forengeschichterin, wie sie herum kursieren.

Ich finde es aber sehr wohl toll, wenn sich Imker mit Alternativen beschäftigen, wenn sie, wie es dem Imker einfach eigen ist, tüfteln, ausprobieren, beobachten; diese Ergebnisse sollen nicht ignoriert werden, und es wäre schön, wenn es auch von Seiten der Zucht zu einem Austausch und/oder einer Überprüfung der Beobachtungen kommen würde. 

Ich tu mir zum Beispiel schwer, abseits von Foren, handfeste, wissenschaftlich belegte Arbeiten über die kleineren Zellmaße zu finden. Wenn es diesbezüglich was gibt, wäre ich für Infos dankbar.

Standbesuch

Dirndl – auch gelber Hartiegel läutet das Frühjahr ein.

So, nach diesen Kommentaren zu Entwicklungen in der Imkereiszene momentan, zurück zu unseren Bienen und unseren Anfängerlnnen. Als Tiroler in Wien denke ich besonders beim vorherrschenden Hochnebel im Osten wehmütig an die feinen Stunden beim Sonnelen am Bank! vorm Haus, mit Blick auf die weißen Zillertaler oder das Rofan, an die wärmenden Sonnenstrahlen, die auf der Sunnseitn die Bienen vors Flugloch treibt. Neben dem Freimachen der Fluglöcher die Futterkontrolle heuer nicht vergessen. Notfalls Futterwaben von Völkern, die genug Vorrat haben, entnehmen und denen die was brauchen zuhängen. Vorsicht aber: keine verkoteten Waben verwenden. Futterwaben von bereits eingegangenen Völkern sind mit Vorsicht zu genießen. Einschmelzen und nicht verwenden, da man nie die genaue Ursache des Völkerzusammenbruchs weiß. Die paar Kilo Zucker bringen uns nicht um. Knausern wäre hier fehl am Platz. Was in dem Zusammenhang noch empfehlenswert ist: Nimm eine Futterkranzprobe und schicke sie ein! Wofür? Um einen Befund über die Faulbrutsporenbelastung zu haben. Wer Bienen verkauft, für den sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein. Wer Bienen kauft, der soll sie verlangen. Für die Beschickung einer Belegstelle wird das Gesundheitszeugnis auch gefordert.

Vorgangsweise: Sauberer Löffel für jedes Volk. 1 Plastikbecher mit Deckel pro 5 Völker. Man entnehme jeweils mit einem neuen sauberen Esslöffel aus dem Randbereich zur Brut einen Löffel Futter mit dem Wachs und gebe es in das Becherl. So verfahre man mit den an deren Völkern auch. Es genügt von 5 Völkern eine Mischprobe zu machen. Der Becher wird mit der Adresse und dem Namen des Imkers und des Bienenstandes an die AGES (oder den Landesverband) eingeschickt.

Nähere Hinweise:
http://wwwhttp://www. ages.at/vetmed/landwirtschaftliche-sachgebiete/bienen/merkblaetter/bienengesundheit/probeneinsendung/

Was bringt mir dies? Ich kann eventuell Probleme frühzeitig erkennen und dementsprechend reagieren, sprich: die kleinen Völker, bei denen noch kein klinischer Befund aufgetreten ist, auf neuen Wabenbau setzen, auch wenn mir die Brut abgehen wird, aber eine Faulbrut Sanierung in der Volltracht vergönne ich nicht einmal dem ärgsten Feind.

Weide – dafür wird es heuer wohl zu spät sein.

Vorbereitungen

An was müssen wir im März noch denken? Habe ich genug Material, sprich Beuten, Rähmchen, Mittelwände (rückstandsfrei), dies betrifft vor allem auch unsere AnfängerInnen. Wenn im Mai der Nachbar mit dem Schwarm vor der Tür steht, wird es meist ein bisschen eng und stressig. Auch für uns erfahrene Imker gilt der Rat, jetzt vorbereiten erspart mir Stress und Hektik im April. 1-2 Reserveböden und Deckel empfehle ich jedem Anfänger zusätzlich zu seiner erstandenen Standartbeute.

Anmerkung zum Wachs: „ultrabestrahlt und seuchenfrei“ sind keine Hinweise auf Rückstandsfreiheit. Laborbefund mit passender Chargenbezeichnung oder Zertifikat passen. Wachsblockzukauf vom Bioimker zur Eigenverarbeitung: auch Bioimker sind nicht gefeit, Faulbrutsporen im Wachs zu haben, deshalb gilt auch da, Fremdwachs generell zu entseuchen, Wachsentkeimungsgeräte besitzen manchmal Landesverbände, Imkerschulen oder Imkervereine für ihre Mitglieder, danach fragen oder von den Verbänden fordern.

Wenn ich mir meine Anfänger, die ich die letzten Jahre begleiten durfte, ansehe, ihre Lebensumstände kenne, dann ist die Geschichte mit der Imker-Werkstatt ein bisschen ein Hohn. Die Werkstatt so manches Jungimkers/Jungimkerin besteht aus dem Wohnzimmer oder der Küche, in der in trauter Gemeinsamkeit mit Freunden die Rähmchen gedrahtet werden, geschleudert wird und abgefüllt. Der Lagerraum für Zargen und Magazine beschränkt sich auf ein Kellerabteil im Wohnblock, so sieht zumindest in Wien die Situation oft aus. Glücklich, wer ein Gartenhaus oder sonstiges Lagerlokal zur Verfügung hat. Wär vielleicht eine Idee für ein Gemeinschaftsprojekt? Falls es noch ausgediente Kühlhäuser in den Dörfern gibt, oder aufgelassene Fleischereien…

Was man im März noch machen kann

Bodenwindel — die abgeschroteten Wachsdeckel zeigen uns an, wo das Volk sitzt.

Fluglochbeobachtung

Pollenbeladene Bienen zeigen mir an, da wird Brut gefüttert, was aber noch nichts über die Qualität der Brut aussagt. Arbeiterinnenbrut, Drohnenbrut – Buckelbrut aufgrund verloren gegangener Königin kommt immerwieder vor. Bei Temperaturen über 15 Grad kann ich mir vorsichtig die Brut ansehn. Dazu brauche ich aber nicht das ganze Brutnest zerklauben, es genügt seitlich 1-2 Waben zu entfernen und die restlichen Waben auf die Seite zu rücken, bis ich die erste Brutwabe sehe. Paßt? Dann wieder retour, Deckel zu, Bemerkung in die Stockkarte eintragen. Fertig!

Drohnenbrut-Buckelbrut?

Ursache: Eierlegende Arbeiterinnen, die aufgrund fehlender Begattung nur unbefruchtete Eier legen und dies werden nun einmal nur Drohnen. Das Volk ist dem Untergang geweiht. Ein Auffinden der eierlegenden Arbeiterinnen, sprich: Afterweiseln, ist unmöglich.
Vorgangsweise: Flugwetter!! Beute vom Standort entfernen. Die gesamten Bienen abseits des Bienenstandes von den Waben abkehren. und die Buckelbrutwaben der Wachsverarbeitung zuführen. Futterwaben, solange sie nicht verkotet sind, können aufbewahrt und für Ableger verwendet werden. Die abgekehrten Bienen betteln sich bei anderen Völkern ein, die zum Fliegen zu schweren Afterweiseln bleiben im Gras und werden zur Beute für unsere Singvögel.

Weitere Arbeiten

Boden tauschen, Boden entseuchen und Bienensitz richten. Ein Blick auf die Windel zeigt mir, wo das Volk sitzt. Mittig, dann passt es.

Dadant: Seitlich, dann entnehme ich auf der gegenüber liegenden Seite 1-2 Waben und rücke den Rest nach, so dass das Volk mittig sitzt und sich nach beiden Seiten ausdehnen kann. Schimmelige Waben werden sofort entnommen, ebenfalls alte dunkle Waben. Event. neue Mittelwände an die Position 2 setzen. Mit Schied nachrücken.

Flachzarge: Sollte die unterste Zarge leer sein, entnehmen und der Wachsverarbeitung zuführen. Bei der Flachzarge kann man auch einen sogenannten Zargenwechsel vornehmen, dies bedeutet, die verbliebenen Flachzagen miteinander tauschen, sodass noch vorhandenes Futter nach unten kommt und die Bienen zu vermehrtem Bruteinschlag durch umtragen reizt, gleichzeitig wird Winterfutter in Brut umgesetzt. Man kann ja doch mit der einsetzenden Blüte rechnen. (Zumindest im Flachland, in den Bergen kanns natürlich noch dauern, bitte dies zu berücksichtigen)

Mittelwandpressen – links Dadant (2 Flachzargen), rechts Breitwabe.
Wachsentkeimungsgerät auf Olbadbasis.

Bienentränke

Und zu allerletzt mein Rat: Bienentränke einrichten, wenn keine natürliche Wassserquelle vorhanden ist. Dies ist vor allem unseren Stadtimkern zu empfehlen, da die Springbrunnen in den Parks oft erst im laufe des Frühlings aktiviert werden. Als Alternative weichen Bienen dann gerne auf die Terassen und Blumenkistln aus, und verursachen dort oft Unbehagen durch massenweises Auftreten im Bereich der Untersetzer, Fußmatten… wo immer sich Wasser finden lässt.

Mehr braucht man nicht machen. Dafür bleibt Zeit, sich die Umgebung des Bienenstandes unter die Lupe zu nehmen. Was blüht? Wann? Wo? Und was kann man mit den Pflanzen machen. Vielleicht eine Speisekarte unserer Bienen in Form eines standortbezogenen Pflanzenherbars anlegen? Nicht vergessen den Liegestuhl auf seine Funktionalität zu prüfen, schließlich gehört „Mit der Seele baumeln“ auch zum Imkerleben. Ps: was ich noch sagen will, Monatsanweisungen und Tipps ersetzen keinen Anfängerkurs, sie wollen aber Dinge in Erinnerung rufen, die vielleicht in der Menge an Informationen bei den Kursen untergegangen sind oder aktuell sind und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Beispiel aus meinem Herbarium: Steinklee.

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