November, Dietmar Niessner

Liebe Imkerkolleginnen,
liebe Imkerkollegen!

Es herbstelt bereits stark, die Feste sind hoffentlich erfolgreich gewesen und haben aber vor allem auch Freude bereitet. Freude im Umgang mit den Kunden, Freude auch im Fachsimpeln mit Kolleginnen und Kollegen.

Eigene Arbeit reflektieren

Vielleicht schaut man sich an einem grauen Novemberabend bei Maroni und einem Glaserl Roten seine Aufzeichnungen durch und überlegt sich, was ist mir gelungen, was weniger, wo hat es mich auf die Nase gebaut und vor allem warum? Dieser Rückblick ist einfach notwendig, damit ich fürs neue Jahr an neue Aufgaben gehen kann. Der Winter ist ja auch die Zeit der Schulungen und Kurse. Was gibt es in den Imkerschulen, das mich weiter bringt? Schaut aber auch zu anderen Bildungseinrichtungen, vielleicht brauch ich einen wirtschaftlichen Zugang oder etwas Kreatives für mein Wesen. Weiterbildung heißt ja nicht nur sich zum fachtrottel zu entwickeln. Weiterblldung betrifft dich als Ganzes, und vielleicht brauchst du Hilfe zum wieder „Runterkommen“.

Diesbezüglich liebe ich meine Leute vorn Verein, ein bunter Haufen lieber Individueller, die sich immer mehr mit ihren Talenten einbringen. Ein Vereinsabend muss nicht immer vom alten grauen Imker gestaltet werden. Ernst erklärte uns die Tiefen der Photografle, wie macht man ein tolles Bienenfoto, übersetzte uns das Zusammenspiel von Blende und Zeit – auch in Zeiten der Digikameras ein Thema. Ron präsentierte uns seine Gedanken zur multifunktionalen Beute, Claudia faszinierte mit ihrer Entführung in die Welt der Biene aus der Sicht der Kunstgeschichte oder Lucas, der uns die elektronischen Medien mit ihren Gesetzen und Gefahren zu erklären versuchte – um nur ein paar zu erwähnen. Das macht Spaß und Freude, wenn man sieht, wie sich ein Verein wie ein Bienenvolk aus den Einzelwesen zusammensetzt und zu einem Ganzen wird. Wo auch Hilfe da ist, wenn sie jemand braucht. Danke!

Schutz unserer Bienenvölker von innen

Schwanenhals zum Träufeln bei der Restentmilbung – eine praktische Sache.

Herbst heißt nicht sich zurücklehnen. Herbst heißt vor allem auch noch nach den Bienen zu sehen. Vor allem meine lieben Anfänger/innen, Restentmilbung der Bienenvölker nicht vergessen. Allgemein kann man sagen, 21 Tage nach dem ersten Frost sind die Völker brutfrei. Da wirkt dann Oxalsäure eventuell in Form des Bienenwohls für die notwendige Restentmilbung. Geträufelt ist das keine Hexerei. Nicht bis irgendwann warten, die Weihnachtsferien sind zu spät, nur so als Vorwarnung. Die restlichen Milben sitzen auf den Bienen und saugen an ihnen, diese Milben können auch Überträger von Viren sein, die sich letal auf die Völker auswirken. Bei starkem Druck kann man die restliche Brut auch gerne ausschneiden, um dadurch bereits früher mit der Restentmilbung zu beginnen.

Zur Erinnerung: Oxalsäureprodukte funktionieren nur bei brutlosen Völkern, sie entfernen dir nur die aufsitzenden Varroen. Brutlos ist ein Schwarm am Baum, ein Kunstschwarm, ein Volk mit offener Brut (auch in diesem Fall sitzen die Milben noch auf den adulten Bienen und noch nicht versteckt in der verdeckelten Brut), ein Volk, dem man die Brutwaben entnommen hat oder eben wenn die letzte Brut im Herbst geschlüpft ist. Dies setzt allerdings voraus, dass unsere Bienen wirklich einen Brutstopp einlegen. In wärmeren Gegenden brüten sie durch, wie ich es in der Provence gesehen habe. Dort wird allerdings vermehrt mit Amitraz gearbeitet, das ja bei uns zu Recht verboten ist.

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns selber noch Gedanken über Betriebsweisen machen müssen, die uns bei der Varroareduktion helfen. Medikamente sind zwar lässig und praktisch, aber sie hindern uns daran, unser Hirn für Neues zu programmieren. Not macht erfinderisch!

Da fällt mir ein, dass es ja auch Imker gibt, die ihre Völker mit Staubzucker einpudern. Wenn ich da jetzt weiterdenke, dann wird Staubzucker, wenn er gegen die Varroa eingesetzt wird, zum Medikament und ist aufgrund fehlender Zulassung verboten. Habe ich keine Varroa in meinen Völkern, dann könnte ich ihn ja als Mittel zur Förderung des Reinigungstriebes einsetzen oder zur Varrroadiagnose. Dies sind jetzt nur so Gedankensplitter, laut gedachte Ideen!

Vogelschutznetz schützen vor unliebsamen Spechtbesuchen.

Schutz unserer Bienenvölker von außen

Wer am Waldrand oder im Grüngürtel von Städten imkert kann wahrscheinlich ein Lied davon singen, der Besuch des Spechtes hinterlässt recht ungute Spuren. Rezepte gibt es genügend, aufgehängte Speckschwarten und so weiter, was aber sicheren Schutz bietet sind Vogelschutznetze. Entspechend abgespannt, dann passt es.

Vergesst nicht die Fluglochschieber mit dem Mäuseschutz. Ich hatte sogar schon Siebenschläfer als Wintergast, weil das Flugloch ungeschützt war. Bienen müssen im Winter Ruhe haben, da darf kein scheuernder Ast stören oder Wasser von der Regenrinne oder dem Dach drauftrommeln. Ein vermehrter Futterverbrauch wäre die Folge. Besuch von unerwünschten Besuchern: Leider kommt es immer wieder vor, dass leidige Mitmenschen sich an wehrlosen Geschöpfen austoben und ihre dunklen Anlagen ausleben. Dagegen hilft nicht viel, vielleicht eine Wildkamera, wo man allerdings gewisse gesetzliche Spielregeln einhalten muss, wie der Hinweis auf einer Tafel. Bienenstöcke im Dickicht zu verstecken, ist vielleicht eher kontraproduktiv. Ich versuche es mit provokant offener Aufstellung. So sind die Völker unter der Kontrolle der guten Geister, die mich anrufen, wenn einmal was passiert ist. Dies setzt allerdings voraus, dass man seinen Bienenstock mit Namen, Adresse und Telefonnummer gekennzeichnet hat.

Kerzen und sonstige Wachsverarbeitung

Mittelwände taugen zu mehr als nur zu Kerzen.

Wenn die Abende länger werden, sich wir anfällig fürs Kerzerlanzünden. Wir schaffen uns mit dem flackernden Schein Gemütlichkeit und Stimmung in den 4 Wänden. Wir Imker sind in der glücklichen Lage über enorme Schätze zu verfügen, über echtes Bienenwachs. Wir sind nicht auf die Billigsdorfer-stumpen aus dem Supermarkt angewiesen Wir können es uns leisten, wenn wir gewisse Techniken berücksichtigen. Wir haben mittels Dampfwachsschmelzer die \Taben bereits ausgeschmolzen. Die Unterseite der Blöcke haben wir gereinigt und wollen damit jetzt unsere Kerzen anfertigen. Davor müssen wir das Wachs noch ein paar Mal mit weichem Wasser aufwallen und ganz langsam abkühlen lassen, damit es wirklich von allen Fremdkörpern befreit ist. Am sichersten wäre, eine Probekerze zu machen und damit das Wachs auf seine Reinheit zu testen.

Wer sagt, dass Kerzen immer gleich aussehen müssen?

Möglichkeiten der Kerzenproduktion

Mittelwände

Eine Kerze besteht immer aus dem Docht und dem Wachs. Für Bienenwachs gibt es spezielle Dochte, sogenannte Runddochte. Diese haben die Eigenschaft, dass sie eine bestimmte Flechtrichtung aufweisen, es gibt also eine Spitze und einen Fuß. Manchmal ist die Spitze auch mit einem Knoten gekennzeichnet. Legt man den Docht verkehrt ein, dann brennt die Kerze nicht schön, was dem Ruf nicht grad gut tut. Eine Bienenwachskerze stellt eine Luxusvariante der Kerzen dar und muss dementsprechend sorgsam gefertigt sein. Arbeitstechnik: Der Docht wird an der Kante angelegt und ganz eng eingerollt. Rechteckige Mittelwände ergeben Stumpen, diagonal durchgeschnittene Mittelwände werden zu Kegelkerzen. Die Dicke der Kerze kann durch mehrere Mittelwände hintereinander angelegt variiert werden, allerdings muss man dabei die Stärke des Dochtes anpassen. Auch hier gilt es einen Prototyp anzufertigen.

Kerzen aus Mittelwänden müssen nicht immer rund sein, durch viereckige Platten kann man auch herrliche Prismenkerzen anfertigen, zart mit Goldwachs oder buntem Wachs ergänzt, bekommen sie eine besondere Note.

Getauchte Kerzen

Fälschlich oft als gezogene Kerzen bezeichnet, sind sie eine ganz besondere Art der Kerzenproduktion. Ein Docht wird dabei immer wieder in flüssiges Wachs getaucht, bis er die entsprechende Stärke erreicht hat. Flüssiges Wachs aber bitte immer nur im Wasserbad erwärmen. Dieses Kerzentauchen eignet sich auch sehr gut zur Ergänzung und als Blickfang für Adventmärkte. Es wird allerdings auch Geduld von den Kunden erwartet. 15 bis 20 Minuten wird es schon dauern, abhängig von der Wachs- und Umgebungstemperatur. Kerzentauchen, eine geduldige Angelegenheit, aber schön.

Spezielle Tauchkörbe erlauben auch, einheitliche Kerzen zu zaubern. Man kann damit gleich mehrere Kerzen auf einmal erzeugen, was natürlich den Prozess beschleunigt. Durch Anpassung der Höhe lassen sich von Christbaumkerzen bis zur hohen Tafelkerze alle Größen erzeugen. In meinem Betrieb verwende ich dazu einen Punschtopf fürs Wasserbad und einen hohen Wachsbehälter mit Abtropftrichter.

Arbeitstechnik: Zuerst wird der Docht ins heiße Wachs getaucht, damit er sich an saugen kann. Anschließend wird er mittels Zug nach unten mit 2 Fingern gespannt, so dass der Docht kerzengerade wird. Dies muss man mehrere Male wiederholen, bis der Docht selbstständig die Form behält.

Die Kunst ist dabei, genügend Muße und Geduld walten zu lassen. Eine kühlere Kerze nimmt frisches Wachs auf und nimmt dadurch in der Stärke zu, warme Kerzen werden durch den Tauchprozess eher wieder dünner. Durch den Tauchprozess entsteht am unteren Ende eine sogenannte Tropfnase, die nach dem Abkühlen bis zum Docht zurück geschnitten werden muss. Dieses warme Wachs lässt sich noch wunderbar zum Modellieren verwenden. Für ganz dünne Kerzen, wie man sie als Christbaumkerzen oder die langen orthodoxen Kerzen kennt, kann man auch den entsprechen den Flachdocht verwenden, vor allem wenn man den Tauchkorb einsetzt. Dies hat den Vorteil, dass es dabei kein oben und unten gibt und dementsprechend der Docht in einem in den Tauchkorb eingespannt werden kann. Die Materialien sind bei der Firma Exagon (www.exagon.ch) erhältlich. Ich wüsste nicht, wer diese Utensilien sonst noch anbietet, darum die Erwähnung der Firma.

Mir ist schon bewusst, dass unser rückstandsfreies Wachs, sofern wir wirklich eines haben, zu schade für die Kerzenproduktion ist. Deshalb verwenden wir auch gerne das ganz normale 08/15 Wachs, das man für die Bienenvölker meiden soll. Es eignet sich als Kerzenwachs und dient zur Reduktion der Altlasten. Was machen wir dann mit dem rückstandsfreien Wachs? Mittelwände für die neue Saison, Backwachs zum Einwachsen des Backblechs, für Propoliscremen u. a.. Verkauft bitte niemandem die normalen Mittelwände, wenn er sich damit Cremen herstellen will! Ein aktuelles Biozertifikat ist natürlich für den Kunden eine Sicherheit, dass es sich auch wirklich um sauberes Wachs handelt. Wieder ein Argument für Bio und regional, das wäre ideal!

Kerzentauchen, eine geduldige Angelegenheit, aber schön.
je nach Kerzendicke braucht man unterschiedliche Dochtstärken.
Tauchkorb für acht Kerzen auf einmal, in der Höhe mittels Imbus verstellbar.
Zielgenau beim Einfüllen der Lippenstifthülsen.

Umwelt

Waldviertler Farbenspiel im Sommer mit Mohn und Phazelia – ein Traum für Mensch und Biene.

Im Herbst hat mich eine Meldung aufgeschreckt, aber nicht nur mich! „Pestizide in Mineralwässern“. Wenn bereits die Pestizide im Mineralwasserhorizont nachgewiesen werden, dann ist es mit der Bewahrung von Grund und Boden für unsere nächsten Generationen nicht weit her. Natürlich kann man von den Landwirten eine rückstandfreie Produktion erwarten und fordern, allerdings muss man ihnen dann auch die teurere Ware abkaufen. Ich bin stolz darauf, dass ich als Bioimker meine Biobauern aus Niederösterreich als Partner für meinen Bio-Zucker an Bord habe. Diese Partnerschaft ist für mich die Konsequenz aus meiner Forderung nach einer bienenfreundlichen Landwirtschaft.

In diesem Zusammenhang will ich nochmals die Firma Bellaflora erwähnen, die es sich verdient hätte, den goldenen Honigdeckel oder sonstige Auszeichnung der Imkerschaft überreicht zu bekommen. Sie hat bereits seit Jahren Pestizide und Kunstdünger aus ihrem Programm entfernt und durch Bio-Produkte ersetzt. Und dies ohne große mediale Kampagne.

Kein Landwirt wird sich im Bau- oder Gartencenter mit seinen Betriebsmitteln eindecken, aber der Konsument und Gartenbesitzer. Deshalb ist es auch wichtig, dem Gartenbesitzer eine Alternative zur chemischen Keule anzubieten. Also vor den Vorhang! Und Danke für diesen Schritt in Richtung bienenfreundlicher Garten!

So schaut es dann Ende August aus.

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