Oktober, Dietmar Niessner

Liebe Imkerkolleginnen,
liebe Imkerkollegen!

Die Erntemeldungen des heurigen Sommers waren ja alles anderes als erfreulich. Glücklich, wer seine Erntemengen der vor-vorletzten Jahre nicht verschleudert hat sondern fachgerecht für schlechtere Zeiten auf Lager hat. Der Herbst und das Weihnachtsgeschäft zählen zu den Hauptabsatzzeiten für Honig, als Additiv zum Tee oder als originelles Präsent, das sich verbraucht und nicht in der Vitrine den Lebensabend verbringt. Letzteres ist leider oft den originellen Bienenwachskerzen beschienen, wie ich an den vollen Pfarrflohmärkten im Herbst immerwieder sehen kann. Eigentlich schad drum, aber den Leuten ists halt um die gutduftende Bienenwachskerze leid.

Apropos Duft: habt ihr gemerkt, dass das frische Bienenwachs aus unseren Völkern nicht so stark duftet wie das gekaufte? Nicht selten wird den gegossenen Kerzen mit ein bisl Bienenwachsaroma nachgeholfen, damit sich die Käufererwartung erfüllt. Kopfweh kannst kriegen von den stinkenden Dingern. Und der Konsument wird verdummt. Vielleicht sollten wir bewußt mit: „OHNE künstlichem Kerzenduft“ werben? Dann hört sich der Blödsinn auf.

Reinwachs

Wir haben vielleicht unsere Altwaben bereits eingeschmolzen, merken aber, dass die Wachsblöcke noch nicht ganz so sind wie wir es uns wünschen. Die Wachsblöcke sind auf der Unterseite mit zentitmeterdicken Schmutzablagerungen in Form von Verseifungen und Puppenhäutchen…. versehen. Diese muss ich erst einmal entfernen. Am besten geht’s mit einem Schabermeissel, event. mit einem Fön anwärmen und mit Wasser abwaschen und trocknen lassen.

Anschließend geb ich die Blöcke in den Einsatz meines Punschtopfes und erhitze das Ganze im Wasserbad. Das dauert! Kleingeschlagen zu Wachstrümmern geht’s leichter, also Wachsblöcke in einen Müllsack und mit einem Beil oder schweren Hammer anständig seine Wut auslassen. Ersetzt eine gute Therapiestunde.

Gebe ich zu den Wachstrümmern noch etwas weiches Wasser, so muss ich beim Abschöpfen eben aufpassen, dass mir kein Wasser in die Formen kommt, deshalb arbeite ich wasserlos. Das flüssige Wachs schöpfe ich anschließend in einen kleineren Topf, der mit einer Damenstrumpfhose XXL abgedeckt ist.  dadurch filtere ich feine Teile noch heraus, die ganz feinen sind an der Unterseite des Wachses. Das flüssige Wachs wird dann aus diesem Topf in Silikonformen (erhältlich recht günstig auf den bereits erwähnten Herbst- und sonstigen Flohmärkten) geschöpft und so bekomme ich meine herrlichen Goldbarren. Hab mir aus Silikon auch schon eigene Formen gebastelt. Handlich, übersichtlich, praktisch kontrollierbar. Sollte gegen Ende doch noch Schmutz dabei sein, so findet er sich in einer Form am Boden wieder. Abkratzen und paßt schon. Man kann natürlich bei diesem Prozess gleich seine Portionen für die Lippenbalsamproduktion gießen, dazu nimmt man halt kleinere Silikonformen, erhältlich im Patissieriezubehör oder sogar im Baumarkt 😉

Generell gilt: je länger flüssiges Wachs Zeit hat abzukühlen umso sauberer fällt die Reinigung aus. Deshalb den Kübel mit dem flüssigen Wachs isolieren, auf Styropor stellen, event. sich eine Isobox basteln. Kann ruhig 1-2 Tage dauern.

Achtung
Wachs nie direkt erhitzen, immer ein Wasserbad verwenden. Es passiert schneller als man glaubt, dass dir der Wachstopf zu brennen beginnt – selbst geringste Mengen flüssigen Wachses können sich überhitzen, selbst schon passiert!

Diese Wachsblöcke kann man jetzt weiter verarbeiten: Mittelwände gießen oder gießen lassen oder auch zur Kerzenproduktion. Für die Kerzenproduktion muss das Wachs absolut sauber sein, das erreichen wir mit mehrmaligem verflüssigen und langsamem Abkühlen. Ungereinigtes Wachs spritzt und funkt beim Anzünder der Kerzen, das ist nicht gewünscht, amit versauen wir den Ruf der „Imkerkerzen“. Also bitte macht eine Probekerze, testet das Wachs auf seine Reinheit oder greift zurück auf die Wachspastillen aus dem Handel. Rückstandsfreies Wachs wäre ja eh zu schade für Kerzen, konventionelles Wachs wird so aus unserem normalen Wachskreislauf kontinuierlich entsorgt.

Goldbarren aus dem Bienenstock.
Dampfwachsschmelzer, ein unentbehrliches Gerät zur Wachsbearbeitung.

Mittelwände

Ausgefallene Kerzen finden immer einen Käufer und bereichern das Angebot.

manche Vereine bieten Pressen als Serviceleistungen für ihre Mitglieder an. Wer größere Mengen zum Verarbeiten hat, sollte sich es überlegen, ob er es nicht verarbeiten lässt. Unsere Verarbeitungsbetriebe arbeiten bereits so effizient, dass man meist sein Wachs in der Früh abliefert, untertags einen Ausflug machen kann, die Gegend erkundet, sich es gut gehen lässt und am Nachmittag die fertigen Mittelwände wieder in Empfang nimmt. Vielleicht ein Schritt zur Verlangsamung des Alltags und des Gewinns von Lebensqualität. Gegossene Mittelwände sind eher spröde, gehen nicht so gut zum Kerzenrollen, als gewalzte. Erstere müssten vorsichtig erwärmt werden, dann geht’s. Für meine Kerzenwerkstatt im Advent verwende ich gewalzte Wachsplatten, sie sind eben problemloser als gegossene.

Jetzt hab ich auch Zeit, mir zu überlegen: will ich Kerzen produzieren oder nicht. 08/15 Kerzen gibt es eh überall, aber was besonderes kann nur ich anbieten. Der Vorteil der kleinen Mengen. Kerzen stellen im Großen und Ganzen nur ein Add On im Sortiment dar, reich wird damit keiner, aber ein paar besondere Kerzen runden das Angebot ab, machen den Verkaufsstand interessant, verlocken zum Gustieren, bereichern das Angebot. Ich steh zum Beispiel sehr auf die Rippkerze, die mit ihrem Licht und Schattenspiel ein Erlebnis darstellt. Die Form mit dazu passendem Docht bekommt man in jedem gut sortierten
Imkerfachgeschäft.

Wer rückstandsfreies Bienenwachs als Backwachs verkaufen will, möge vorher die eigenen Erfahrungen dazu sammeln. Es funktioniert bestens, man muss allerdings das Blech vor dem Einreiben mit Wachs leicht temperieren und dann mit Wachs einreiben. Ist das Blech zu warm, zerfließt uns das Vanilekipferl bereits beim Auflegen. Nur ausprobierte Rezepte weitergeben, sonst seid ihr durchschaut.

Herbst und Winter als Hauptabsatzzeit für Honigprodukte

Als Anfänger werden wir ja nicht unbedingt die Mengen Honig haben, die man für den klassischen Adventmarkt braucht. 6-7 Wochen täglich am Markt stehen braucht viele Resourcen im Hintergrund, abgesehen von einem Konzept und einem Projektmanagement. Wann beginn ich mit der Produktion, was, wen hab ich als Helfer?

Als Anfänger nutze ich dafür die Möglichkeiten in meinem Umfeld, Pfarrmärkte, Grätzlmärkte, offene Tür im Garten oder vielleicht am Bienenstand mit Fackelbeleuchtung, am Arbeitsplatz, Kantine, Anschlagbrett des Kindergartens oder der Uni. Aber auch hier überlege dir, wie will ich mich präsentieren! Allein oder mit KollegInnen?

Wie präsentiere ich mich?

Rippkerze, ein Spiel mi Licht und Schatten.

Schlicht oder überladen, alles ist möglich, kommt immer auf den Anlass an. Einen kühlen Event betrete ich schlicht, event. nur weißes Tischtuch und ein paar Gläser zum Kosten, Verkosten!
Ein Massenevent wird mit vollem Programm bestückt, da hat man meist nicht viel Zeit für jeden einzelnen, aber jeder muss seinen Weg eben finden, was ihm so liegt. Im Großen und Ganzen geht es darum deinen Honig, deine Produkte mit deiner Person und deiner Geschichte zum Honig zu verbinden. Du musst dazu stehen.

Was wir aber nie vergessen dürfen, eine Präsentationskiste zu packen. Da ist alles mögliche und unmögliche drinnen, vom Klebeband, Reißnägel, Schnur, Schere und leere Kopierkartons, Visitenkarten und Infomaterial. Sackerl mit feuchtem Wettex und Müllsäcke, sowie Wechselgeld! 100€ sind das mindeste in Münzen. Schreibt euch auf, was vergessen wurde, was abgeht, es erleichtert schon viel.

Was viele übersehen – es kommt normalerweise ein Reporter der lokalen Bezirkszeitung oder sonstiger Medien vorbei. Wie sinnvoll ist eine kurze Zusammenfassung der Eckdaten eures Betriebes mit Fakten, Philosopie und ein paar Bildern mit dem link zu eurer Homepage. Je weniger der Reporter selber schreiben muss umso weniger kommt es zu Verwechslungen, Fehlinterpretationen und überlegt euch, wie ihr eurem Stand einen Rahmen verpassen könnt. Was meine ich damit? Wenn du ein Bild von deinem Stand machst, sollte irgendwo dein Name mit aufscheinen, am Rand, oberhalb, Hintergrund… Möglichkeiten bieten unsere
Druckereien mit oft recht günstigen Plakaten zum Spannen, Aufstellen.

Fast geometrischer Aufbau.
Lippenbalsam im Glaserl, Plastikdoserl wäre ja fast eine Beleidigung für ein gutes Produkt.
Stimmige, überschaubare Standgestaltung und Produktpräsentation.

Wenn sich die einzelnen Imker nicht allzu sehr in die Quere kommen, wird’s auch keine Probleme geben, was allerdings, wenn es innerhalb des Ortes, der Gemeinde, des Vereins durch diverse Aktivitäten zu Konkurrenz kommt, wenn junge die alteingesessenen Imker verdrängen, wie gehen wir damit um? Ein bisschen Rücksicht aufeinander sollte man schon erwarten können und das Feld gemeinsam bearbeiten. Ein großer Event verträgt mehr Imker als ein kleiner. Normal schaut ja der Veranstalter des Marktes darauf, dass es zu einem ausgeglichenen Verhältnis kommt. Ich war bereits auf Märkten mit 5 Imkern gemeinsam und
alle waren wir glücklich und zufrieden. Manchmal ist aber bereits ein zweiter schon zuviel. Eine wahrlich spannende Situation und Charakterfrage wie man damit umgeht.

Was immer man als Veranstaltung plant: Wer kann mir helfen? Wann beginne ich mit den Vorbereitungen? Ich persönlich bin sozusagen nicht lernfähig und beginne immer zu spät, sodass es die letzten Tage davor immer zu einem Dauerstress kommt. Ob ich es jemals lernen werde?

Bienen im Oktober

Was tut sich bei den Bienen? Hoffentlich ist Ruhe eingekehrt. Die Fluglöcher sind ein bisschen verengt, wir haben die Völker bereits aufgefüttert und kontrollieren noch durch leichtes anheben, ob ein Kandidat vielleicht still ausgeplündert wurde. Auch das kommt vor, dass die Nachbarn heimlich still und leise am Rand hineinmarschieren und dem Volk so Zelle für Zelle den Honig fladern. Nachfüttern oder mit einem anderem Volk vereinen, falls es sich sonst nicht mehr aus geht. Bei warmen Wetter (20°) gegen Ende Oktober können wir, wie letzten Monat geschildert, noch mit einer Stoßbehandlung die Varroasituation abtesten. Notfalls die letzten Brutnester ausschneiden und mit Oxalsäure behandeln. Bitte gebt die Infos in euren Vereinen an die Jungen weiter. Lasst sie nicht anrennen!

Solange es noch warm ist, können auch Bienenstände neu errichtet, zusammengelegt oder aufgelassen werden. Das heißt: Bienen transportiert werden. Bei tiefen Temperaturen muss so gefüttert werden, dass das temperierte Futter nicht abreißt, d.h. es darf der Kübel (Zugang direkt von den Wabengassen her) nicht leer werden, sonst ziehen sie sich in der Traube zusammen und erreichen das Futter nicht mehr.

Da kannst verhungern!
Späte Blühmischung ist Bienenschutz.

Bienentrachtsituation

In unseren Gärten sind zwar noch die Herbstblüher vorhanden, der Efeu verschreckt noch so manchen Nachbarn, der anruft und auf die Massen von Bienen am alten Zwetkenbaum mit Scharmverdacht hinweist. Efeu bringt den Bienen wirklich noch einen netten Anreiz zum Sammeln, aber sonst tut sich nicht mehr allzuviel.

Am Land, im Reich der Ackerbauern ist Öde eingekehrt, vereinzelt blüht noch der Ackersenf. Ich konnte aber heuer im Waldviertel beobachten, dass es vermehrt wieder zu Blühstreifen und blühenden Phazeliafeldern gekommen ist. Da ist im ÖPUL möglicherweise was im Gang, ohne dass ich mir das neue Programm bereits genauer angeschaut hätte. Die angekündigte Deckelung der Förderung für Biobienenhaltung auf 1000 Stöcke finde ich etwas seltsam, da es sonst ja auch keine Deckelung bei den Feldern und Betriebsgrößen kommt. Somit steht einem guten Glasl Wein oder Met und einem Martinigansl am Ende des Monats nix mehr im Wege, bevors ans große Geschäft bzw. dessen Vorbereitungen im November geht.

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