Februar, Biezen Wien

Der Februar im Bienenvolk

An den meisten Februartagen ist es noch sehr kalt. In manchen sonnigen Stunden werden unsere Bienen bereits ausfliegen. Sollte der Winter milder verlaufen wird in einigen Regionen bereits Pollen eingetragen. Neben der Hasel bieten auch andere Frühblüher wie die Winterheckenkirsche in Hausgärten, Schneerosen oder Schneeglöckchen ersten Pollen, der als Eiweißversorgung für die Brut essentiell ist.

Varroa

Milbenbefall kontrollieren – Abfall oft überraschend hoch.

In sehr warmen Regionen, wo der erste Frost erst im Dezember eingesetzt hat, kann sich erst jetzt der perfekte Zeitpunkt für die Restentmilbung ergeben. Noch wird es keine verdeckelte Brut in den Völkern geben, die Eilage hat gerade erst begonnen. Wir behandeln ausschließlich mit Oxalsäure die wir verdampfen. Studien zeigen, dass diese Form der Behandlung für die Bienen verträglicher und vor allem der Langlebigkeit der Königin zuträglich ist. [1] Auch zur Anwendungssicherheit gibt es eine gute Studie. Ein Atemschutz mit FFP2 (Grippeschutzmasken aus der Apotheke) ist für Anwendungen im Freien unbedingt zu verwenden. In Bienenhäusern werden sogar FFP3 Masken empfohlen [2] . Gerade im Winter sind Applikationen, bei denen die Beuten nicht geöffnet werden müssen besonders praktisch. Lästiges Dächerabnehmen und ein Stören des Bienenvolkes fallen dadurch weg. In unseren Betrieben kommt dafür der Varroxverdampfer zum Einsatz. Das Träufeln von flüssigen Oxalsäure Präparaten stellt natürlich auch eine Möglichkeit dar. Erst jetzt nach der Restentmilbung legen wir unseren Völkern Dämmplatten auf. Vom späten Auflegen der Dämmung erwarten wir uns, dass die Völker im Herbst früher zu legen aufhören, da sie Kälte stärker spüren. In kälteren Regionen und in höheren Lagen ist das wahrscheinlich nicht relevant. Wir verwenden ausschließlich hohe Gitterböden und ungedämmte Holzbeuten.

Arbeiten am Bienenvolk

Auch im Februar gibt es kaum Gründe die Ruhe der Bienen zu stören. Soweit wir uns sicher sind, dass es zu keiner Futterknappheit in den Völkern kommt, besuchen wir die meisten Stände zwischen der Restentmilbung und dem Start der Reizfütterung ab Mitte Februar nicht. Neben Materialbeschaffung, Weiterbildung und dem Besuch der Erwerbsimkermesse steht für uns am Plan, das letzte Jahr der Imkerei Revue passieren zu lassen. Für uns war die größte Veränderung, dass wir begonnen haben vermehrt mit Jumbo zu arbeiten. Eine Schwierigkeit war der unerwartet hohe Futterbedarf im Herbst an einzelnen Ständen und vor allem in der Stadt. Auch für den starken Varroaanstieg durch den langen warmen Herbst werden wir uns Strategien überlegen müssen. Vielleicht seid auch ihr vor neuen Situationen gestanden oder habt neue Ideen umgesetzt oder geplant? Seht euch eure Aufzeichnungen durch und besprecht eure Erfahrungen mit anderen Imker*innen. Durch einen offenen und ehrlichen Diskurs lassen sich viele Herausforderungen leichter meistern.

Reizfütterung oder das Abreißen von den Futterreserven verhindern

Wenn sich die Wintertraube nach einer warmen Periode im Frühjahr zu lösen beginnt und sich das Volk wieder ausdehnt entstehen Abstände zwischen verdeckelten Futterreserven und der Brut. Oft kommt es zu dieser Jahreszeit zu raschen Kälteeinbrüchen. Der Bien zieht sich auf die Brut zurück um diese zu wärmen. Die Brut muss auf Temperatur gehalten werden. Die Temperaturdifferenz zwischen der Außentemperatur und der benötigten Bruttemperatur kann über 40°C betragen und muss von den Bienen erbracht werden. Durch größere Menge an Brut und dem höheren Wärmebedarf steigt der Futterverbrauch rasch an. Hält die Kälte an, bleiben die Bienen auf der Zukunft des Bienenvolkes, der Brut, sitzen und können den Anschluss an die Futterreserven verlieren. Das Futter liegt unerreichbar und das Volk kann verhungern. Um den Abriss vom Futter zu verhindern kommt bei uns Futterteig zum Einsatz. Fertigen Futterteig gibt es bereits abgepackt in 1-2,5kg Gebinden zu kaufen.

Wer Futterteig selber herstellen will kann dieses Rezept verwenden : Zehn Teile Puder- oder Staubzucker einen Teil erwärmten und flüssigen Honig aus eigener Imkerei und einen Teil warmen Wasser. Zucker in einen einen Behälter geben und in der Mitte eine Mulde bilden. Honig und Wasser in der Mulde gießen. Gut vermischen und dann die Masse in einen verschließbaren Behälter für 1-2 Tagen durchziehen lassen. Den fertigen Teig in Frischhaltefolie oder Tiefkühlsackerl füllen.

Futterteig wird über dem Spundloch verabreichert.

Marians Deckel haben alle Spundlöcher und er verwendet keine Folien. Dadurch können die aufgeschnittenen Päckchen direkt auf das Spundloch aufgelegt werden. Über den Teig kommt die Dämmplatte die dafür sorgt, das der Teig warm und somit weich bleibt. Das Auflegen über dem Spundloch ist sehr bequem, hat aber einen großen Nachteil. Sollten die Bienen den Teig nicht vor dem Kälteeinbruch gefunden haben, weil das Volk schwach ist oder der Bienensitz noch nicht in die Mitte der Zarge vorgedrungen ist, liegt das Futter unerreichbar. Daher sollte der Teig unbedingt möglichst vor Kälteeinbrüchen gegeben werden.

Sicherer ist es den Teig direkt über den Bienensitz auf die Rähmchenoberträger aufzulegen. Dafür muss das Volk natürlich geöffnet werden. Katrinka hat Deckel mit Einbuchtungen für die Dämmplatten, die bei Bedarf umgedreht werden können, damit der entstandene Zwischenraum für den Futterteig genutzt werden kann. Dabei sollte der Futterteig mit Folie oder Verpackung abgedeckt werden um nicht auszutrocknen.

Weiter Möglichkeiten ergeben sich mit Distanzringen von ca. 3cm die aufgelegt werden können oder umdrehen von Futterzargen. Dabei ist unbedingt eine Folie zu verwenden um Wildbau zu verhindern!

Der Futterteig in der Verpackung wird kreuzförmige angeschnitten, dass die Bienen hinein schlüpfen können.

Futterteig im Distanzrahmen liegt direkt über dem Bienensitz.

Da Futterteig von den Bienen umgearbeitet und flüssig an der Brut eingelagert wird benötigen sie dafür Wasser, was aber erfahrungsgemäß kein Problem darstellt solange der Teig von der Folie gut geschützt ist und nicht austrocknet. Die Reizfütterung hat auch den Sinn, die Frühjahrsentwicklung der Bienen zu beschleunigen. Studien zeigen, dass Völker die im Spätwinter mit Futterteig oder Futterteig mit Pollenersatz gefüttert werden mehr Brut bis April anlegen als Vergleichsvölker ohne Reizfütterung. Die Wirksamkeit von flüssiger Reizfütterung ist eher umstritten.

Überlegungen zum Beutenmaß

Bienenwachs ist ein sehr wertvolles Gut. Bereits zu Zeiten der Zeidlerei und in mittelalterlichen Klöstern war Wachs der wichtigste Rohstoff aus dem Bienenvolk. Doch auch für die Bienen selbst ist es Wohnung, Brutstätte und Vorratskammer – also ihr ganzes Lebensumfeld! Dementsprechend viel Aufmerksamkeit sollten wir diesem Thema schenken.

Denn Wachs hat ein Gedächnis: Nicht nur Krankheiten wie im schlimmsten Fall die amerikanische Faulbrut können darüber übertragen werden, sondern es reicht bis zu den Anfängen der Varroabehandlung zurück. Im konventionellen Wachs sind immer noch alte fettlösliche Wirkstoffe von synthetischen Varroaziden zu finden, die längst nicht mehr verwendet werden.

Rückstandsfreies Wachs bedeutet, dass in diesem Wachs keiner der getesteten Stoffe über einem Schwellenwert vorhanden ist. Biowachs ist rückstandsfreies Wachs, das aus einem zertifizierten Bio-Betrieb stammt.

Neben eingekauften Rückständen aus ehemals verwendeten Behandlungsmitteln kann Wachs auch von Pflanzenschutzmitteln belastet sein, es gibt auch Fälle von „gepanschtem“ Wachs, das mit Paraffin und anderen Wachsen versetzt wurde. Manche Rückstände aus dem Wachs können auch an den darin gelagerten Honig abgeben werden! Welche Auswirkungen verschiedene chemische Rückstände auf die Völker haben, vor allem wenn sie miteinander kombiniert werden, weil etwa Wachs unterschiedlicher Herkünfte gemischt wird, ist kaum erforscht. Wir empfehlen jedenfalls, einen eigenen Wachskreislauf anzustreben. Das bedeutet, dass jede neue Mittelwand oder jeder Anfangsstreifen aus eigener Imkerei stammt. So können wir ganz sicher sein, welche Mittel mit unserem Wachs in Berührung kommen – und welche eben nicht.

Wer schon eine Imkerei betreibt und nicht weiß, welche Stoffe im Wachs enthalten sind, kann es einschicken und untersuchen lassen. Dafür gibt es Förderungen! Die Nachweisverfahren dafür werden immer genauer. Wie lange genau die Rückstände im Wachs bestehen bleiben ist unterschiedlich, oft ist auch nur ein Verdünnen möglich. Doch eine Umstellung auf rückstandsfreies Wachs ist trotzdem machbar! Je nach Betriebsweise ist der Aufwand unterschiedlich hoch. Es ist etwa möglich, im Zuge einer kompletten Bauerneuerung auf rückstandfreies Wachs umzustellen. Andere Methoden wären das kontinuierliche Ersetzen von entnommenen Altwaben durch rückstandsfreies Wachs. Im reinen Naturbau stellt sich diese Frage natürlich garnicht.

Das eingeschmolzene Altwachs mit Rückständen eignet sich hervorragend zur Herstellung von Kerzen.

Wachskeislauf und Verarbeitung

Der Frühling rückt näher und es wird Zeit das Material dafür herzurichten. Allem voran ist nun ein idealer Zeitpunkt um Wachs selber in Mittelwände zu pressen oder dies von einem Umarbeitungsbetrieb erledigen zu lassen. Für Jungimker*innen würden wir die Neuanschaffung einer Mittelwandpresse nicht empfehlen. Gemeinschaftliche Anschaffungen in Gruppen oder über den Verein würden sich hier sehr anbieten. Solange keine Miete verlangt wird, wird der Kauf dieser Geräte auch über die Kleingeräteförderung unterstützt. Leider kann die Förderung nur von Rechtspersonen beantragt werden. Nur wenn der Verein im Besitz der Bienenvölker ist kann so ein gemeinschaftlicher Kauf abgewickelt werden. Bei gemeinschaftlicher Nutzung ist das Entkeimen des Waches essenziell, um die Verbreitung von Faulbrutsporen zu vermeiden. Dafür wird ein Wachshocherhitzer benötigt.

Mittelwände aus eigener Produktion.

Bis zu einer Menge von 50kg pro Jahr haben wir unsere Mittelwände selber gepresst. Wer das nicht will oder kann hat die Möglichkeit, Wachs in einem Umarbeitungsbetrieb verarbeiten zu lassen.

Die Umarbeitungsbetriebe haben im Frühjahr Hochsaison! Wer schnell einen Termin haben will sollte bereits vor Weihnachten oder gleich zu Beginn des neuen Jahres die Wachsumarbeitung erledigen. Manche Betriebe bieten erst ab größeren Mengen eine Eigenumarbeitung an. Dann gilt es das Wachs zu sammeln und zu einem späteren Zeitpunkt umarbeiten zu lassen. Beim Umtauschen des Rohwachses in Mittelwände wird der eigene Wachskreislauf leider durchbrochen.

Mittelwände, Anfangsstreifen oder doch ganz wild

Wie bereits erwähnt kommen bei uns sowohl Mittelwände als auch Anfangsstreifen zum Einsatz. Drohnenrahmen werden bei uns als komplett leere Rähmchen zwischen ausgebaute Waben gegeben. Hier wollen wir unsere Überlegungen und Erfahrungen mit euch teilen:

Mittelwände sind unglaublich praktisch und haben die moderne Imkerei mit mobilem Wabenbau erst möglich gemacht. Für alle Waben die geschleudert werden (Flachzargen im Honigraum und vereinzelt Vollzargen) verwenden wir Mittelwände. Die Mittelwand gibt der Wabe die nötige Stabilität und wird von den Bienen rasch ausgebaut. Ein weiterer Vorteil sind symmetrisch ausgebaute Waben, die ein Manipulieren der Rähmchen erleichtern. Da der Preis für Bienenwachs die letzten Jahre stark angestiegen ist und wir nur rückstandfreies Wachs empfehlen, können die Anschaffungskosten jedoch sehr hoch sein! Als Alternative können in den ersten Jahren Anfangsstreifen oder halbe Mittelwände verwendet werden.

Bebrütete Waben werden bei uns im Betrieb nicht gelagert. Alle bebrüteten Waben befinden sich in Völkern oder werden im Herbst sofort eingeschmolzen. Aus hygienischen Überlegungen sind wir der Meinung, dass Waben unter den Völkern eigentlich nicht getauscht werden sollen. Die Ablegerbildung und Notfütterung stellen für uns einen Kompromiss dar.

Anfangsstreifen oder Naturbau sind momentan sehr modern. Sie sollen vor allem in Kombination mit Großwaben (Jumbo, Dadant) wesensgemäßer sein. Der Bien kann selber entscheiden ob Arbeiterinnen- oder Drohnenzellen angelegt werden. Auch die Kommunikation mittels Schwingungen soll auf einer Naturwabe für die Bienen leichter sein. Je nach Bedarf erweitern die Bienen den Naturbau nach unten. Was aus bienentechnischer Sicht alles sehr positiv klingt, bringt für uns Imker*innen auch seine Herausforderungen und Nachteile mit sich.
Für den Naturbau benötigt ein Bienenvolk viel Energie, was sich natürlich auf den Honigertrag auswirkt. Um ein Kilogramm Bienenwachs zu produzieren benötigt das Bienenvolk ca. 10kg Honig und ein Kilo Blütenstaub! Aus betriebswirtschaftlichen Gründen rechnet sich der Einsatz von Mittelwänden durch den Mehrertrag an Honig. Auch müssen die Naturwaben vorsichtiger geschleudert werden, weil sie leichter brechen können. Das gilt vor allem für Tangentialschleudern und zähen Waldhonig. Mit gedrahteten Flachzargen im Honigraum haben wir auch bei Naturwaben mit einer Radialschleuder kaum Wabenbruch. Für die komplette Bauerneuerung nach der letzten Ernte ist der reine Naturbau leider nicht anwendbar. Darauf werden wir in ein paar Monaten noch genauer eingehen. Auf die Drahtungsrichtung bei Großwaben im Naturbau ist unbedingt zu achten! Wir können von senkrechter Drahtung nur abraten. Die Oberträger können sich durchs Spannen der Drähte einsenken und ermöglichen einen Wildbau zwischen den Rähmchen, da der Beespace nicht mehr passt. Noch schlimmer ist es, dass in sehr warmen Lagen es zum Bruch der Wabe im Volk kommen kann und die gesamte Wabe vom Rähmchen rutscht. Beides kann mit waagrechter Drahtung verhindert werden. Wenn der Oberträger modifiziert ist (verstärkt und mit einem Einschubspalt für die Mittelwand) können auch so Anfangsstreifen eingelötet werden.

Abgerutschter Wabenbau.

Grundsätzlich empfehlen wir: Verwendet Anfangsstreifen, die ihr oben im Rähmchen einlötet oder andere Maßnahmen um die Baurichtung vorzugeben. Leerrähmchen ohne Anfangsstreifen kommen als Drohnenrahmen zum Einsatz und werden bei uns zwischen zwei ausgebaute Waben gehängt.

Ausblick

Wir hoffen, ihr habt für euch Interessantes in diesem Artikel entdecken können. Jedenfalls stehen wir in den Startlöchern für den Frühling und freuen uns schon, unsere Bienenvölker bald wieder zu besuchen.

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